Unicode

QUATSCH MIT SAUCE

Langsam finde ich Gefallen an diesen zwiebelfischig spitzfindigen Themen. Die Überschrift ist schon mal sehr gelungen. (Ihr sagt dann bitte Bescheid, wenn euch die Klugscheißerei ankotzt.) Aber unsere Sprache stellt uns täglich frische Stolperfallen und es wäre doch ein Jammer, sich nicht darüber auszulassen – diesmal: Die Speisekarte.

Jetzt könnte man zunächst irrwitzige thailändische Speisekarten hervorkramen – aber dass in übersetzten Speisekarten zuweilen erheiternde Fehler vorkommen, finde ich immer wieder schön und ich werde den Teufel tun und hier hämische Witze reißen. Müsste ich eine Speisekarte ins Chinesische übersetzen, hätte ich ganz ähnliche Probleme.

Bei deutschen Speisekarten hingegen lege ich Wert auf jedes Tüpfel! Interessant an Speisekarten allgemein ist die Tatsache, dass es für internationale Gerichte auch international gültige Bezeichnungen gibt. Die “Forelle Müllerin” bezeichnet z.B. eine gebratene Forelle – und so muss sie dann auch auf den Tisch kommen, ob in Paris, New York oder Dubai. In den USA heißt diese Zubereitsungsart übrigens “Müllerin style“. Es ist also üblich, den Namen aus der Sprache beizubehalten, aus der das Gericht stammt. So trägt die “Sauce Hollandaise” ganz zu Recht einen französischen Namen.

Und genau da liegt der Hase in der Pfeffersauce *prust*! Obwohl wir die “Sauce” längst eingedeutscht und in “Soße” verwandelt haben, heißt sie “fachsprachlich” immer “Sauce”. Das liegt wohl daran, dass in den namhaften Küchen dieser Welt meist Französisch bzw. Englisch gesprochen wird.

Aber ein deutsches Gericht, das eine deutsche Bezeichnung trägt, muss denn auch so geschrieben werden: z.B. Spätzle mit Soße. Oder die berühmte Frankfurter Grüne Soße. Schokoladensauce finde ich auch nicht schön. Meinetwegen dürfen die Fachleute in ihrer Küche Soßen aus verschiedenen Sprachen zusammenrühren – als Gast möchte ich mit derlei Sprachzwittern nichts zu tun bekommen!

Ein weiteres Debakel ist das scharfe S ganz allgemein. Schriftsetzer und Grabsteinmetzen mochten es noch nie, weil man sich seit 100 Jahren immer noch nicht auf eine offizielle Majuskel (Großbuchstabe) geeinigt hat und Schrift-Gestalter sich daher meist die Mühe sparen. Schon das kleine ß ist beileibe nicht in jedem Schriftsatz enthalten. Frech wird es da neuerdings selbst in namhaften Werbekampagnen durch ein Doppel-S weggemogelt.

Die notbehelfsmäßige SOSSE steht also immer schlechter da als eine SAUCE – das trägt ebenfalls zur Verbreitung der Schreibweise bei.

Mit solchen Ausreden ist aber nun endgültig Schluss – am 23. Juni 2008 trat die entsprechende Ergänzung der Norm ISO/IEC 10646 in Kraft. Ganz offiziell bekommt das große scharfe S nun seinen Platz im größten Alphabet der Welt: Dem Unicode. Da können sich die Speisekarten-Designer also zukünftig nicht mehr vor drücken!

Zeichen Unicode
Position
Unicode
Bezeichnung
Bezeichnung HTML
dezimal
? U+1E9E LATIN CAPITAL
LETTER SHARP S
Lateinischer Großbuchstabe Eszett ?