Gerade im Sommer steht man oft vor dem Problem: Wohin mit den Kaugummis? Werden weich in der Hosentasche (VERFLÜSSIGEN sich sozusagen – muhaha) – verklebt alles – pfui Deibel! Der umhängbare Kaugummibehälter ist da die ideale Lösung. Es gibt ihn als Werbegeschenk mit bunten aufgedruckten Marken – man müsste ihn also auf jeder Messe irgendwo für Umsonst kriegen können: Augen auf!
Bei einem Umzug am Wochenende konnte ich ein Fläschchen Orbitz abstauben, was mich dazu veranlasst, nun endlich meine Serie mit vergessenen Hypes zu starten. Dabei meine ich aber nicht so Dinge wie Pril-Blumen oder Tamagotchis – das waren sehr erfolgreiche Phänomene und sie haben sich hartnäckig gehalten (vor allem die Pril-Blumen). Mich interessieren Themen, die zwar groß anposaunt wurden aber nie zum Massenphänomen emporstiegen.
Getränke für Jugendliche sind einem starken Wandel unterworfen, es sei denn man verkauft billigste Zucker-Brause und investiert möglichst alles in permanente weltweite Werbekampagnen. Betrachtet man mal nur die letzten 10-20 Jahre, gab es beachtliche Schwankungen auf dem restlichen Getränke-Markt: Das früheste, an was ich mich zurückerinnern kann, ist IsoStar. Schmeckte besonders schlecht aus zerkauten Plastik-Trinkflaschen direkt aus dem Turnbeutel, idealerweise lauwarm.
Schweppes-Produkte waren mal sehr in und zwischendurch sogar SlimFast – wenn man das dazunehmen will. Mitte der 90er Jahre, als man wochenends zum Rave ging, überschlug sich dann der Markt mit kultigen Szene-Getränken, die vermutlich nur in Kleinstauflage abgefüllt wurden: Koffein, Taurin, Guarana – die Drinks spendeten angeblich Energie oder erfüllten sonstige Funktionen. Mir schwant, die Marketing-Leute von damals entwickeln heute vor allem AXE-Duschgel. Jedenfalls war darunter für mich das absolute Highlight “Orbitz”:
Probiert haben das sicher die wenigsten, ich auch nicht – obwohl sich z.B. die Geschmacksrichtung “bLueBerRy mElon sTrawBeRry” recht interessant anhört. Es wurde eher zum Anschauen gekauft und war günstiger als eine Lavalampe. Das MHD ist zwar schon längst abgelaufen, aber demnächst werd ich es tollkühn verkosten…
Wie der kanadische Hersteller es geschafft hat, diese bunten Kügelchen für immer in der Schwebe zu halten, wird wohl sein Geheimnis bleiben – die Internet-Adresse, die sowohl in die Flasche graviert ist als auch fett auf dem Deckel prangt, wird längst anderweitig verwendet. Die einzigen Überlebenden dieser Kultgetränk-Evolution sind “Red Bull” und “Water-Joe”. Ersteres kann man nur zusammen mit Wodka trinken, Water-Joe ist einfach Wasser mit Koffein, was eine völlig geniale Idee ist.
Kommen wir zum Abschluss langsam wieder in die Gegenwart: Neulich im Real*-Getränkemarkt bot mir eine Promoterin ein Fläschchen Coca-Cola light an. Die mochte ich nicht mal geschenkt haben, aber mich interessierte, wo denn nun der Unterschied zwischen “light” und “zero” sei. Hab ich noch nicht probiert und ich stelle es mir ganz schrecklich vor. Tatsächlich hatte sie sich darüber auch schon informiert und antwortete mir zu meiner Überraschung, das sei “genau das selbe Produkt, bloß mit einer anderen Marketing-Kampagne”. Coca-Cola light würde leider nur von Frauen getrunken, man wolle nun auch die Männer gewinnen. Wundert mich eigentlich nicht – ich erinnere mich auch nur an diesen (wirklich gelungenen) Werbespot mit dem sexy Bauarbeiter:
Ein ganzes Jahr lang mussten die ersten Videos von Alexander Marcus auf Youtube ein einsames Dasein fristen – um nun endlich die verdiente Aufmerksamkeit zu erheischen. Daraus kann man lernen, dass virales Marketing auf jeden Fall ein bisschen Geduld braucht – der Hype ist nur bedingt planbar.
Prinzipiell unterscheiden sich Schlager und House kaum: Beides ist hochmelodiös, beides kann man super mitklatschen. In den 90er Jahren fusionierten die Stilrichtungen zu sogenanntem “Eurodancetrash”, grausigen Heino-Entgleisungen oder Phänomenen wie “DJ Ötzi”.
Einen ganz anderen Kurs schlägt Alexander Markus ein: Der ehemalige House-DJ setzt offensiv auf Trash, seine Original-Schlagertexte liegen über minimalistischer Computerspiel-Musik, was er “Elektrolore” nennt. Die Musik ergibt mit den herrlich ironischen Videos einen Star, den man einfach lieben muss! Sexy!