Trimm dich!
Am Sonntag wollte ich mich zu sportlichen Aktivitäten aufraffen und kam spontan auf die Idee, einen Trimm-Dich-Pfad aufzusuchen. Daran kann man gut erkennen, wie oft ich mich zu sportlichen Aktivitäten aufraffe – denn Trimm-Dich-Pfade sind mittlerweile doch leicht aus der Mode gekommen. Oder nein – eine schlaue Großmolkerei nutzt Trimmy jetzt wieder für eine Kampagne: In Kindergärten.
Für die Jüngeren muss man möglicherweise erst kurz erklären, was es mit dem witzigen Ausruf “Trimm dich!” auf sich hat – und wer könnte das besser zusammenfassen als die weise alte Wikipedia:
Die Trimm-dich-Bewegung war eine in den 1970er-Jahren in der Bundesrepublik Deutschland populäre Breitensport-Bewegung. Sie hatte ihren Ursprung in der Kampagne Trimm Dich – durch Sport!, die der Deutscher Sportbund am 16. März 1970 startete. Sie erreichte eine hohe Öffentlichkeitswirkung.
Das Ziel der Kampagne war es, die in der bundesdeutschen Wohlstandsgesellschaft durch das „Wirtschaftswunder“ stark gestiegene Zahl Übergewichtiger und Herzinfarktgefährdeter durch sportliche Betätigung zu verringern.
Das Maskottchen der Aktion war die Zeichenfigur Trimmy.
In zahlreichen Städten und Gemeinden wurden so genannte Trimm-dich-Pfade eingerichtet. Im Zuge neuer Modesportarten geriet die Trimm-dich-Bewegung allmählich in Vergessenheit. Bestehende Trimm-Dich-Pfade wurden von den unter Finanzschwierigkeiten leidenden Kommunen oftmals dem Verfall preisgegeben.
Auch zu meiner Zeit waren die Anlagen schon etwas modrig – aber sie erfüllten gerade noch ihren Zweck.
Die Molkerei Alois Müller möchte sich nun engagieren, weil wir heute wieder so viele dicke Kinder haben. Schließlich wirft man den großen Nahrungsmittelherstellern doch immer vor, sie seien Schuld daran! Nach dem Motto “Früh übt sich” und “Was Hänschen nicht lernt” werden 100 Kindergärten mit einem Satz Spielgeräte ausgestattet. Interessant an der Strategie ist, dass die Kindergärten sich aktiv bewerben sollen – so kann man nun wirklich nicht behaupten, die Kindergärten würden von der Werbeindustrie infiltriert. Nicht zuletzt hat man als Partner den “Deutschen Olympischen Sportbund” – immerhin die größte Sportorganisation der Welt.
Mich stimmt es eher ein bisschen traurig, dass Kinder schon so früh auf fragwürdige Marken geprägt werden dürfen. Aber das ist natürlich lächerlich: Sportartikelhersteller statten junge Fußballvereine aus, MacDonalds baut Spielplätze – alles ganz normal.
Zu meiner Zeit gabs noch Kaspertheater von der Polizei oder “Karius und Baktus” auf Super8. Ist bestimmt inzwischen alles privatisiert.





“Tausche Rollbaren Kleiderständer von Ikea gegen 1 gr. Glas Nutella.” 


Wir, die wir unsere Nase über Gartenzwerge in sorgsam zurechtgestutzten Vorgärten rümpfen und sagen “Iiie – Wie spießig!”, sind in Wahrheit nicht minder kleinkariert. Wir hätten doch zu Hause auch am liebsten diese kuscheligen Mikrofaser-Decken, mit denen sich unsere Eltern vor dem Fernseher lümmeln! Aber geht nicht – zu spießig. Dagegen empfinden wir selbstgehäkelte IPod-Hüllen aus dem Internet als Geheimtipp: “Hui, wie kreativ!” Sogar ein Hirschgeweih würde man sich aufhängen – solange es neonpink eingesprüht ist.
Ministeck – ein beliebter Wandschmuck aus fernen Zeiten – erlebt durch Streetart neuen Ruhm. Was könnte biederer sein, als in seiner Freizeit ausgestanzte Plastik-Pixel zu einem Rauhaardackelwelpen zusammenzupfriemeln? Liegt das wirklich nur am Motiv? Vielleicht wird die nächste Generation Super Mario spießig finden!


