Reklame

1-Euro-Schuh, die Zweite

Der 1-Euro-Schuh. Das lässt mich gar nicht mehr los. Vielleicht liegt das auch daran, dass zur Zeit eine Menge rührseliger Reklame läuft, in der sich Firmen mit “Spendenaktionen” selbstbeweihräuchern. Beim Windelkauf was Gutes für die armen kranken Kinder tun, Bier trinken für den Regenwald – überall wird uns suggerriert, dass wir mit unserem Konsumverhalten irgendetwas bewirken könnten. Dieser Illusionen kann man sich schön auf ende-der-maerchenstunde.de berauben lassen.

Aber gut, wir bleiben bei den Turnschuhen. Unfassbar unpassender Trackback-Spam erreichte mich heute, untermalt von viel passender Online-Schuhwerbung:

Wie der Adidas Schuh aussehen soll, ist noch nicht klar. Außerdem wisse man noch nicht, ob er überhaupt die bekannten drei Streifen bekommen wird. (…) Denn auch in der Dritten Welt soll man mit (schönen) Schuhen laufen können. Wenn das mal keine nette Geste ist.

Eine nette Geste??? Und warum sollen da keine 3 Streifen drauf? Schämen sich dann die Leute, die sich die teuren Latschen leisten können, wenn die Armen auch damit rumlaufen? Aus Marketing-Sicht natürlich eine nachvollziehbare Entscheidung: Die Käufer könnten sich auch fragen, warum ausgerechnet sie mehr ausgeben sollten.

Die Herstellung des preiswerten Schuhs sei im Rahmen eines sogenannten Social-Business-Projekts geplant, bei dem der Preis eines Produkts gerade die Material- und Herstellungskosten decke. (stammt aus einer DPA-Meldung, die von diversen Online-Zeitungsausgaben, z.B. auch von Bild-Online unverändert übernommen wurde)

Kannste dir die Gewinnspanne ausrechnen, die man macht, wenn man die Material- und Herstellungskosten mal von üblichen Turnschuhpreisen abzieht.

Da drängen sich doch aber Fragen auf wie: Warum wird denn so extrem an Material- und Herstellungskosten gespart, wenn sie doch so niedrig sind im Vergleich zum Ladenpreis? Warum wird die mühevolle Arbeit der Leute nicht anerkannt? (was bin ich manchmal süß naiv…) Nein, da stellen wir lieber keine weiteren Fragen. Im Gegenteil. Spiegel-Online teasert in einer aberwitzigen Sinnfigur:

Bislang verdiente Adidas viel Geld mit Turnschuhen, die in Billiglohnländern produziert wurden. Jetzt wollen die Herzogenauracher sich revanchieren: Mit einem extra-günstigen Sportschuh für die Dritte Welt.

… und fährt dann mit besagter DPA-Meldung fort. Kann man schön dran erkennen, wie gut die gemeinte Message bei den Redakteuren angekommen ist.

Die schlankschlaue Trinkmargarine

Margarinewerbung früher

Wenn man der Werbung unserer Margarinemarken glauben würde, macht jenes Streichfett nicht nur schlank und gesund, sondern auch noch sexy und schlau. Wann kommt endlich ein Produkt, dass all diese Funktionen vereint, so dass man nicht mehr vier verschiedene Margarinen übereinanderschmieren muss?

Die Margarine, die Napoleon III. als kostengünstigen Butterersatz erfinden ließ, musste in viele Kostüme schlüpfen um bis heute zu überleben. Anfangs gab man sich viel Mühe, genauso wertvoll und fetthaltig zu erscheinen wie die teure Butter. Nach und nach bekam die Margarine aber ein diätisches Image verpasst (sozusagen: ihr Fett weg, haha), was dazu führte, dass Millionen von Menschen sich durch Knäckebrot mit Margarine selbst bestraften, bis sie durchschauten, dass ein glückliches Butterbrot auch nicht mehr Kalorien hat.

Rama fürs Gehirn

Heute gibt es bergeweise Butter – warum sollte man also auf billigen Ersatz zurückgreifen? Im Gegensatz zur Butter, die ein reines Naturprodukt sein muss, kann man bei der Herstellung von Margarine allerlei lebensmittelchemische Verfahren anwenden und beliebige Fette mit Wasser und sonstigen Zusätzen verquirlen. Die moderne Margarine will besser als Butter sein: Cholesterin will sie senken (Becel), ja sogar unsere Kinder schlau machen (Rama Idee) – wobei letztere “Innovation” genauso schnell wieder verschwand wie sie gekommen war.

Jetzt will man die Abwehrkräfte stärken: Der neue Werbespot von Lätta sieht zwar ganz ähnlich aus wie der aus den 90ern, als die Marke im Fit4Fun-Outfit geschaffen wurde: Da hüpft eine schlanke junge Dame zu den Walen in den Bergsee und der Waschbrettmann wartet schon in der Tür. Sex wird diesmal aber nur angedeutet. Besser ist das.

Lätta mit Probiotik

Zu unser aller Überraschung verwandeln sich dafür am Ende eine Reihe Trinkjoghurt-Fläschchen in einen schmucken Polypropylen-Margarine-Becher. Dadurch soll deutlich werden:

Hey, die teuren Joghurts kannste stehen lassen – unsere Margarine ist mindestens genauso pröbiotisch und schmeckt super unter “Du-darfst-so-bleiben-wie-du-bist”-Wurst. Die besterforschtestststen Bakterienkulturen kommen da nur rein!

Schade eigentlich – dass man nicht noch einen Schritt weiter geht und gleich den bekömmlichen Margarine-Drink anbietet! Ja, mutiger müsste man eben sein – wenn diese ganzen leckeren Inhaltstoffe doch so gesund sind, wieso nicht die “Tagesportion gesundes Fett” einzeln abfüllen und gleich die gehärteten Fette rauslassen? Dann kann man das prima trinken! Was Ähnliches gibts natürlich schon, als cremafinösen Sahneersatz nämlich… Aber schlau, sexy und gesund macht der auch noch nicht!

Wer übrigens auf Milchsäure-Bakterien abfährt, kann auch zur “mildgesäuerten Butter” greifen, da sind auch welche drin. Und bestens erforscht sind die übrigens ebenfalls, denn sie haben sich lange bewährt.

Mr Proper’s Glatzenspeck

Glatzenspeck

Liebe Produktentwickler!

Ich liebe diese herben Duftstoffe, die Sie in Duschgele und Haar-Styling-Produkte reintun. Da ich leider keine Haare habe, sehne ich mich nach einem äquivalenten Produkt, einer Art Glatzen-Politur! Sie könnten auch einfach so tun, als gäbe es sowas seit hundert Jahren und es in hübsch knallige Vintage-Blechdosen abfüllen. Sie können im Winter gerne etwas Selbstbräuner beimengen und im Sommer einen Sonnenschutzfaktor. “Für geschmeidigen Glanz”, oder so.

Bei Interesse an der Vermarktung dieser Idee melden Sie sich doch einfach direkt über die Kommentarfunktion.

Falls Sie bereits längst so ein Produkt entwickeln, können Sie hier auch gerne dafür Reklame machen!