Nische

Halloween-Post

Halloween. Ein geeigneter Aufhänger für einen Post über den Web-Klassiker schlechthin Rotten.com - oder? 1996 startete dieses makabre Internet-Projekt und ich muss gestehen, dass ich bestimmt schon 10 Jahre nicht mehr drauf war. Erfrischend finde ich aber, dass sich am Aufbau und Design der Seite gar nichts verändert hat, auch wenn sich das Angebot schrittweise stark ausgeweihdtet hat.

Als Ziel geben die Macher an „eine unvergessliche Sammlung von all jenem zusammenzutragen, was sich die Menschheit zu vergessen geschworen hatte“. Von schrecklichen Autopsie-Bildern bis hin zum jüngsten „Rate my Poo“. Dort können User Bilder ihrer eigenen Exkremente hochladen und die der anderen bewerten - eine ironische Anspielung auf das web2.0.

Eine weitere von rotten.com gegründete Seite ist „Sports Dignity“, eine Bildergalerie aus der Welt des Sports. Hier können Sportler betrachtet werden, die ihre Genitalien entblößen, der Kamera den Finger zeigen oder sich sehenswerte Verletzungen zugezogen haben.

Seit November 2003 gibt es den „Rotten Dead Pool“. Hierbei handelt es sich um ein Spiel, bei dem jeder Spieler zehn Personen nennen muss, von denen er glaubt, dass sie im Verlauf der nächsten 12 Monate sterben werden. Für jeden richtigen Tipp bekommt der Spieler einen Punkt - es sei denn, die Person war zum Zeitpunkt der Auswahl bereits zum Tode verurteilt worden, oder der Spieler selbst hat sie umgebracht!

Am 4. Oktober 2001 verfügte die Bezirksregierung Düsseldorf übrigens, dass auf Grundlage des Mediendienste-Staatsvertrags von 1997 Access-Provider in Deutschland den Zugang zu der Seite verhindern müssten. Nach Protesten wurde rotten.com aber von der Sperrverfügung ausgenommen. Ebenfalls filtern einige Suchmaschinen wie Google Deutschland teilweise Ergebnisse heraus, die auf rotten.com weisen. Kritiker werfen der Düsseldorfer Landesregierung vor, auf diese Weise Zensur zu betreiben. (wikipedia)

Ob ich mir jetzt Sorgen machen muss? Jedenfalls trotzt die Seite allen Schmähungen und hat bis heute überlebt. 8000 Leute besuchen täglich die Seite, Tendenz: rückläufig. Eigentlich nicht viel für eine derart bekannte Seite, sollte man meinen. Dennoch: Wer sich mal wieder kräftig gruseln und ekeln möchte und die ganze schreckliche Wahrheit ertragen kann - bekommt nirgendwo sonst hochwertigeres Material.

Schmerzgrenze an Leserschwund

Wo liegt bei Dir die Schmerzgrenze an Leserschwund, der Dich veranlasst, Dein wundervolles Nischenprogramm einzustellen?

Welch provokante Frage! Aber das muss ich doch ausführlicher ausführen: Ich habe 2005 mit dem Bloggen angefangen. Da wusste man noch gar nicht, für was das gut sein sollte, aber es war schon außerordentlich hip. Da gab es noch keine Social-Bookmarking-Werkzeuge, sondern bloß einen Haufen Webtagebücher und freakige Sprachakrobaten, die tolle Texte schrieben. Das sind auch so die Blogs, die ich selbst ganz gerne lese - Webtagebücher sind nicht so mein Ding. In all den Jahren habe ich es noch auf nicht mal 200 (!) Postings gebracht. Darauf bin ich fast ein bisschen stolz. Das macht höchstens einen Post pro Woche - hey, und selbst das kommt mir fast viel vor! Und in all der Zeit habe ich nicht einmal das Kubrick-Standard-Theme ausgewechselt!

Der Trash wuchert zwar nach wie vor allüberall - aber der echt urige liegt hinter uns. Aus diesem Grund hat schon die wunderbare Müllseite dicht gemacht, die immer mein großes Vorbild war. Ich bin da Nostalgiker und trauere dem Web 1.0 hinterher. Mit dem bin ich großgeworden. Blinkende GIF-Zierleisten, ja das waren noch Zeiten… Die private Internet-Seite hat sich nahezu aufgelöst in zig untereinader eingebettete Profile bei irgendwelchen MyFace-ähnlichen Diensten, die dann alle hochindividuell verziert sind. Diese Art Internet meide ich.

Blinke-GIF
Aber auf was wollte ich hinaus? Ach ja - also das gab es alles nicht, ich nutzte mein Blog um mir selber Seiten zu merken und kommentierte das Ganze noch ein bisschen. Das es noch andere lesen KÖNNEN, das ist schön - aber ich muss deshalb nicht in irgendwelchen Social-Bookmarking-Hitparaden aufsteigen. Liebe Leute - nehmt diese ganzen unsäglichen SEO-Tipps bitte nicht so ernst. Das ist alles heiße, schlechte Luft aus dem Hals von Dieter Bohlen. Es kann (und muss) nicht jeder ein “Star” sein.

Und die 20 EUR, die durch Google-Werbung oder T-Shirt-Verkäufe (Prust!) reinkommen täten, lohnen den ganzen Spam-Aufwand sowieso nicht. Ganz zu schweigen von der hässlichen Verunzierung, die solche Werbemaßnahmen mit sich bringen. Nicht vergessen - mit “Geld verdienen” verdienen vor allem die Leute einen Haufen Geld, die dir welches versprechen!

Twitter ist ein prima Tool für faule Blogger - wenn ich mir die Blogs der Leute so ansehe, die viel twittern, sehe ich, die schreiben auch schon viel weniger. Und auch dort halte ich es übrigens für völlig Banane, anzustreben, dass einem wunderweißwieviele Leute “zuhören”. Stell dir vor, die antworten alle! Es geht darum, sich mit ein paar Leuten zu vernetzen. Der Witz ist gerade nicht, dass man als Einzelner 1000 Leute erreicht, sondern dass Twitter irrsinnig viele Mikro-Netzwerke beherbergt, zwischen denen die heißesten News blitzschnell nach oben befördert werden.

Auch bei Blip.fm ist nicht mein Ziel, dass ich persönlich viele “Anhänger” finde, sondern dass man durch Leute, deren Geschmack man schätzt, viele neue Stücke kennenlernt. In einem sehr individuellen Radio-Stream. Es ist ein cooles Werkzeug - aber um Gottes Willen keine Bühne.

Nein nein, das Verhältnis aus Postings schreiben und lesen, sollte ausgewogen sein, finde ich. Und ich will auch mal in Urlaub fahren können, ohne dass ich einen Gastschreiber einstellen muss, weil mir sonst der Traffic wegbricht… Die beste Bühne ist und bleibt immer noch das Theater. Ahoi!

(geschrieben mit dem angenehmen Stress-Tool “write or die“)

Essbare Seife? Seifiger Käse?

Käseladen

LUSH - was irgendwas zwischen “besoffen”, “abgefahren” und “üppig” bedeutet, gibt es nun auch in meiner Stadt. Es ist ein hipper neuer amerikanischer Laden, durch dessen Schaufenster nur schwer zu erraten ist, was genau dort feil geboten wird. Von außen hat man den Eindruck, es handle sich um ein exquisites Käsegeschäft, kommt man durch die Türe, denkt man unwillkürlich an eine Parfümerie. Diesen sinnlichen Trugschluss bekommt das Gehirn innerhalb der nächsten Minuten nicht mehr aufgedröselt.

Zwar kaufe auch ich am liebsten Schaumbad, das so riecht, als ob man es essen könnte - aber das ist mir dann doch zu extrem: Da gibt es Duschgel in glitschiger Wackelpuddingform, abgepackt wie Frischkäse und Honigseife in Form von riesigen Käselaiben. Es gibt dort “vegane” Seife, ja was sagt man denn dazu? Man wird von hippem Personal dazu aufgefordert, mit Sprudelballbruchstücken in Wasserschüsseln rumzuplantschen.

Sehr bizarr das alles - vor allem auch die Preise: 100 Gramm Seife für 5 EUR? Hallo - ist Seife nicht eigentlich etwas super Billiges? Mir scheint, hier wird der Boom der selbstgemachten Dinge kommerzialisiert. Nach wenigen Minuten konzentrierter Parfümkaskaden kriege ich Kopfweh. Auf in den Schokoladenladen! Da kann man die Waren wenigstens wirklich essen.

Seifenladen

Selbstgemachte Seife, Badepralinen oder Sprudelbälle sind aber ein grundsätzlich zu befürwortendes Trend-Hobby und eine lustige Sauerei! Tolle Seifenrezepte gibts auch bei schattenbaum.net

Alexander Marcus

Medium: de.youtube.com
Link: de.youtube.com

Ein ganzes Jahr lang mussten die ersten Videos von Alexander Marcus auf Youtube ein einsames Dasein fristen - um nun endlich die verdiente Aufmerksamkeit zu erheischen. Daraus kann man lernen, dass virales Marketing auf jeden Fall ein bisschen Geduld braucht - der Hype ist nur bedingt planbar.

Prinzipiell unterscheiden sich Schlager und House kaum: Beides ist hochmelodiös, beides kann man super mitklatschen. In den 90er Jahren fusionierten die Stilrichtungen zu sogenanntem “Eurodancetrash”, grausigen Heino-Entgleisungen oder Phänomenen wie “DJ Ötzi”.

Einen ganz anderen Kurs schlägt Alexander Markus ein: Der ehemalige House-DJ setzt offensiv auf Trash, seine Original-Schlagertexte liegen über minimalistischer Computerspiel-Musik, was er “Elektrolore” nennt. Die Musik ergibt mit den herrlich ironischen Videos einen Star, den man einfach lieben muss! Sexy!

(via polylog)

Duft-Jockeys und Wunderbäumchen

Erst seit dem Rauchverbot fällt auf, dass es in unseren Diskotheken ganz schön müffelt - der kalte Kippenmief der letzten Jahrzehnte hat sich tief ins Mauerwerk gefressen und ein Pulk tanzender Alkoholisierter trägt auch nicht gerade positiv zum Nasen-Ambiente bei. Eine große Marktlücke tut sich da nicht auf, aber die Nische ist noch nicht ausgereizt! (Nach Maiglöckchen duftende Fototapeten gibt es zum Beispiel noch nicht)

“Kräftige Ventilatoren verteilen dann die erzeugten Duftkompositionen begleitend zur Musik. Das Ganze läuft meist über 30 minütige Sets, bei denen sich unterschiedliche Duft- und Musik-Welten abwechseln. Zum Einsatz kommen ausschließlich organische Öle und aromatische Gewürze.” (Ideentower)

Auf die Dauer ist das aber keine Lösung - viel zu teuer für die Gastronomen! Es dürfte auch ähnliche Schwierigkeiten geben, wie bei dem Versuch in den 60er Jahren, den Riechfilm zu etablieren:

Leider funktionierte es nicht, wie beabsichtigt. Die vielen Zischgeräusche der Aromadüsen lenkten vom Film ab und das Publikum auf den Balkonen beschwerte sich, daß sie die Gerüche erst einige Sekunden nach der gezeigten Tätigkeit erreichten. In anderen Teilen des Theaters waren die Gerüche zu schwach, was die Zuschauer veranlasste laut zu schnüffeln, um den Geruch einzufangen. Diese technischen Probleme, in Verbindung mit negativen Berichten über den Film selbst, signalisierten das baldige Ende von Smell-O-Vision.

Man könnte auch mal wieder gründlich renovieren, bleiben allerdings die Schweiß- und Alkoholausdünstungen. Gegen die hilft nur bewährte Chemie, als da wären:

  • Wunderbaum: Der Wunder-Baum erfrischt die Luft in jedem Raum! Seit über 30 Jahren sorgt die Firma Böhm aus Schweinfurt mit ihren Baumelbäumchen hauptsächlich in Autos dafür, dass man nicht mehr das Fenster runterkurbeln muss, wenn man durch den Schwarzwald cruist. Berüchtigt sind die von Ihnen verursachten Vanillekopfschmerzen. Es soll helfen, die Folie immer nur Stück für Stück von dem Bäumchen zu ziehen (sieht allerdings doof aus). Wenn Böhm jetzt noch eine glitzernde Variante in sein Sortiment aufnimmt, könnte diese demnächst die Diskokugel ersetzen.
  • Febreze: Mit dem “Geruchsneutralisierer” verwandelt sich selbst aggressiver Turnschuhmief in einen zarten Frühlingsmorgen à la Kirschblüte & Magnolie. Bei Events ließen sich eigens dafür angeheuerte Febreze-Miezen einsetzen, die sich mit zauberhaften Zerstäubern unters Volk mischen.
  • Ohne Personalkosten und viel unaufdringlichfälliger geht es mit dem ganz neuen “Fresh Matic“: Er “versprüht seinen Duft automatisch und in programmierbaren Intervallen. Bis zu 60 Tage ganz von selbst.” (Und nein, es ist KEIN gesponserter Trigami-Link). Ein System für Großverbraucher gibt es leider noch nicht.

Bild von: Deine Heimat

Rumpfkluft

Was ich dazu zu sagen habe, steht in meinem BuchPersonalisierte Produkte sind nichts Neues: Der Conterna-Versand beschriftet schon seit Jahren Kugelschreiber - (und diese regenbogenfarbig schillernden Adressaufkleber, die man mal eine Weile auf sein Eigentum draufgepappt hat). Fotoabzüge sind ohnehin digital, inzwischen sind sogar Leinwanddrucke erschwinglich geworden. Auf E-Bay gibt es eine ganze Nische voll mit “Digital-Art“. Die Books-on-Demand haben sich noch nicht durchgesetzt - außer bei erfolglosen Autoren, die von dubiosen Verlagen immer wieder dringend gesucht werden… Sogar Kuchen kann man bedrucken lassen.

Baerte zu FlugschwartenAber langsam wird es spannend: Sie kommen - Produkte, die es noch gar nicht gibt. Erst wenn Leute das Produkt wirklich haben wollen, wird es auch hergestellt. Ein Riesen-Ding sind gerade T-Shirts. Jeder kann zum Mode-Designer werden und Geld verdienen - mit einer bloßen Idee. Auch viele andere Dinge lassen sich aus Modulen zusammensetzen, z.B. Möbel. Da kauft man ja genaugenommen nur Bretter mit Löchern, ein Tütchen voller Dübel und Schrauben und dazu eine lustige Anleitung. Gibts die auch bald zum selbstgestalten? Alles eine Frage der Logistik. Man darf gespannt sein.