Kunststoff

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Nein, das ist nicht das Passwort für mein Blog – es ist der Name eines umstrittenen neuen Kühlmittels für Klimaanlagen in Autos. Hat man je einen dooferen Namen gehört?

Da macht man sich immer über IKEA lustig, weil sie ein konsequentes Naming betreiben – dabei tragen die Produkte nicht die schlechtesten Namen. So werden von IKEA z.B. Badezimmerartikel nach “skandinavischen Seen, Flüssen und Meeresbuchten” benannt. Das macht fast irgendwie Sinn! Und wenn ich mich recht erinnere, hatten Möbel früher überhaupt keine Namen – höchtens berühmte Stühle hießen wie ihre Designer oder Hersteller. Inzwischen trifft man in vielen Wohnungen Billy, Molger oder Duderö an – wie alte Bekannte.

Von Elektronik-Herstellern ist man kryptische Zeichen-Kombinationen ja gewohnt – obwohl Walkman und iPhone wohl beste Beispiele dafür sind, dass gute Produkte immer auch gute Namen haben. Wo der Unterschied zwischen einer DMC-FX100EG-K und einem NWZ-S615FB liegt, kann man nur raten. Die Systematik bleibt für den Kunden unnachvollziehbar.

Die Produkte unserer Chemieriesen haben aber meistens lyrische Namen. Manchmal hat man fast den Eindruck, sie erfinden den Namen für ein neues Düngemittel mit Hilfe eines Fantasy-Rollenspiel-Generators. Vielleicht inspiriert man sich auch an Rennpferden? Die müssen alle einen einmaligen Namen haben – wovon leider nur noch wenige übrig sind. Zur besonderen Freude der Live-Kommentatoren… Kunststoff- oder Spritzmittelmarken heißen z.B. Calypso, Teldor, Brasan, Fandango, Champion, Degulan, Fortron, Kel-F oder Pollopas.

Ganz speziell sind natürlich auch die Waschmittel, obwohl die von jedermann gekauft werden: Vizir, Bref, Febreze, Sil und Spee? Oder ein Shampoo, das schlicht Fa heißt! Mir scheint, hier soll jedes Mal ein einzigartiger Name erfunden werden – mit dem Erfolg, dass sie sich alle seltsam ähneln.

Spider Catcher ohne Töten!

Spider Catcher

Lebensmittelattrappen

Die “Serviervorschläge” auf so mancher Verpackung sind der blanke Hohn. Viele dieser Abbildungen lassen sich mittles Packunsinhalt fotografisch nicht reproduzieren – selbst, wenn man noch ein Sträußchen frische Petersilie dazulegt und alles mit Klarlack einsprüht, wie das die Profi-Lebensmittel-Fotografen machen. Wer die Branche kennt, weiß, dass z.B. echte Eiscreme keine längere Session unter eine Fotolampe auszuhalten vermag – weshalb man etwas nimmt, das nicht schmilzt.

Sind das Nudeln mit Paprika-Gulasch?

In Japan geht man sogar noch einen Schritt weiter: Da ist es üblich, in Restaurant-Schaufenstern das Essen als Kunststoffmodell auszustellen, statt einfach nur zu fotografieren. Auch hierzulande gibt es eine Firma, die sich auf Lebensmittel-Attrappen spezialisiert hat.

Sonst kennt man Attrappen eher aus Möbelhäusern – sie stehen dort in Schlafzimmerlandschaften und sehen aus wie ein neuer Plasmafernseher oder eine Schale Obst – ist aber alles nur aus Plastik und Styropor! Und in den meisten Handyläden liegen auch nur Dummies – sozusagen als Bilder zum Begrabschen. Allmählich gewöhnen wir uns daran, nur noch die Oberflächen von Objekten zu bewerten, weniger den Inhalt…

Subway Sandwich

Äh, kommen wir wieder zurück zu den Serviervorschlägen: Bei heißen Gerichten helfen keine Ausreden von wegen “das kann man gar nicht professionell fotografieren, weil es unter der Fotolampe schmilzt!” – im Gegenteil, da wird oft nachträglich ein zarter Dampf hineinretuschiert. Und dass die Kondenströpfchen am Bierglas bzw. die Tautropfen auf dem Salat mühevoll einzeln aus Klebstoff aufgeträufelt werden, ist eher ein beschmunzelungswürdiges Detail als Betrug. Die Produzenten des oben abgebildeten Sandwichs versuchen jedoch offensichtlich zu vertuschen, wie unappetitlich ihre Nahrungsmittel in Wahrheit zusammengepfuscht werden! Das prangere ich an.

“Naja”, wird da jetzt jemand dazwischenmaulen, “das soll doch alles ästhetisch aussehen und Fotografie ist doch auch irgendwie Kunst!” Schon schon – aber wer weiß – vielleicht bekommen wir alle auf Dauer eine total verkorkste Realitätswahrnehmung davon, wenn wir ständig beschönigte Fotos von Sachen oder Leuten sehen und dann nicht mehr richtig hinsehen, wenn die Wahrheit objektiv vor uns steht. Darum gehts doch!

Ehrliche Fotos von ehrlichem Essen

Liebe Fast-Food-Ketten und sonstige Fertigkost-Anbieter: Nehmt euch an Beispiel am Polargarten aus Chemnitz – die bilden ihr Essen genau so ab, wie es eben aussieht. Schnitzel mit Pommes sehen nunmal meistens so aus!