Gewissen

Der 1 EURO-Turnschuh

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet heute im Wirtschaftsteil über die Zusammenarbeit von Adidas mit dem Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus: Zu einem “auch für die arme Bevölkerung erschwinglichen Preis” will Adidas künftig den Ärmsten Schuhe verkaufen. “Niemand auf der Welt muss mehr barfuß laufen“.

Mir Recht verweist der Autor Georg Meck dabei auf manch ethische Frage: “Wie gerecht ist es, Schuhe in Amerika für hundert Dollar zu verkaufen, die Asiaten für einen Bruchteil davon zusammenschustern?”. Für 1 Euro soll man also bald ein paar Schuhe bekommen können. “Für gewöhnlich kosten schon die Schnürsenkel mehr, insofern ist die Ansage durchaus mutig“, meint der Autor.

Aber ist das wirklich so mutig? Tatsächlich kosten ausgerechnet die Schnürsenkel natürlich so gut wie nichts. Man fragt sich aber zurecht nach dem oben genannten “Bruchteil”. Wie setzt sich eigentlich der Preis für z.B. ein T-Shirt zusammen? Für die Bauwolle (Garne): Nicht mal ein Euro. Für die Arbeit: knapp 3 Euro. Den Rest schöpft der Händler ab - er kalkuliert den Verkaufspreis mit einem Faktor von 2 bis 2,5 des Einkaufspreises (Quelle: Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH). Ähm - mindestens. Es gibt freilich teurere T-Shirts.

Ein Synthetik-Schuh, der nicht mal genäht, sondern nur von einer Maschine aufgeschäumt wird - kostet vielleicht ein wenig mehr als ein leerer Joghurt-Becher. Aber Moment mal! Sogar WIR können heute bereits Schuhe für 1 EUR kaufen. Solche Latschen gibts bei jedem Discounter. Der einzige Unterschied: Sie haben keine 3 Streifen.

Tatsächlich ist Adidas an der eigentlichen Produktion seiner Artikel heute nicht mehr beteiligt. Die Schuhe erzeugt der chinesische Konzern Yue Yuen. Adidas kümmert sich “nur” um das Erstellen des Designs, der Schnitte, das Finishing, die Werbung und die Vermarktung, worauf aber natürlich nach wie vor der größte Anteil der Wertschöpfung abfällt. Woher rührt also die Motivation? Will man sein Image reinwaschen?

Übrigens möchte auch die BASF zukünftig mit dem Nobelpreisträger zusammenarbeiten. Vitaminpulver und 100.000 Moskitonetze könnte man beisteuern. Fast geschenkt - versteht sich. Hat man da Gewissensbisse, dass man mit europaweit verbotenen Agrochemikalien in armen Ländern immer noch gutes Geld verdient? “Vitamine” sind jedenfalls auch wirklich mal was Billiges - und so ein Moskitonetz ist auch nur deshalb teuer, weil man so hohe Preise verlangen KANN - nicht etwa, weil Nylon so ein rares und kostbares Material wäre.

Mehr zum Thema “Ökonomisierung der Armut”. Danke, Sebastian.

Bio T-Shirts

Gestern bei Polylux ging es in einem Beitrag darum, dass es immer mehr reiche Leute schick finden, Luxusartikel in umwelt- und menschenfreundlicher Qualität zu kaufen. Motto: Schau mal, wie nobel ich bin! Najaa - Genaugenommen werden vor allem Massenwaren unter menschenverachtenden Bedingungen hergestellt - aber es ist schön, dass auch salatölbetriebene Stretchlimousinen schon bald salonfähig werden.

Nun, seitdem sich auch Hartz4-Empfänger Bio-Joghurt leisten können, war es nur eine Frage der Zeit, bis das Phänomen auch auf andere Produkte übergeht. Erschwinglich sind bereits T-Shirts aus Bio-Baumwolle, die zu fairen Arbeitsbedingungen hergestellt werden. Trigema - wir erinnern uns an den scheußlichen aber beliebten Werbespot mit dem lustigen Affen - “produziert ausschließlich in Deutschland” und man braucht kein schlechtes Gewissen zu haben, dass die neuen Klamotten in DDT getränkt und dann von hustenden Kindern mit blutenden Fingerchen zusammengenäht wurden. Auch American Apparel ist keine Nobelmarke, die Preise sind erstaunlich niedrig (oder die Preise der Textil-Discounter erstaunlich hoch).

Ganz scheinheilig möchte ich an dieser Stelle erwähnen, dass auch in meinem Shop Bio-Thirts zu wohlfeilen Preisen angeboten werden…