Schmerzgrenze an Leserschwund
Wo liegt bei Dir die Schmerzgrenze an Leserschwund, der Dich veranlasst, Dein wundervolles Nischenprogramm einzustellen?
Welch provokante Frage! Aber das muss ich doch ausführlicher ausführen: Ich habe 2005 mit dem Bloggen angefangen. Da wusste man noch gar nicht, für was das gut sein sollte, aber es war schon außerordentlich hip. Da gab es noch keine Social-Bookmarking-Werkzeuge, sondern bloß einen Haufen Webtagebücher und freakige Sprachakrobaten, die tolle Texte schrieben. Das sind auch so die Blogs, die ich selbst ganz gerne lese - Webtagebücher sind nicht so mein Ding. In all den Jahren habe ich es noch auf nicht mal 200 (!) Postings gebracht. Darauf bin ich fast ein bisschen stolz. Das macht höchstens einen Post pro Woche - hey, und selbst das kommt mir fast viel vor! Und in all der Zeit habe ich nicht einmal das Kubrick-Standard-Theme ausgewechselt!
Der Trash wuchert zwar nach wie vor allüberall - aber der echt urige liegt hinter uns. Aus diesem Grund hat schon die wunderbare Müllseite dicht gemacht, die immer mein großes Vorbild war. Ich bin da Nostalgiker und trauere dem Web 1.0 hinterher. Mit dem bin ich großgeworden. Blinkende GIF-Zierleisten, ja das waren noch Zeiten… Die private Internet-Seite hat sich nahezu aufgelöst in zig untereinader eingebettete Profile bei irgendwelchen MyFace-ähnlichen Diensten, die dann alle hochindividuell verziert sind. Diese Art Internet meide ich.
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Aber auf was wollte ich hinaus? Ach ja - also das gab es alles nicht, ich nutzte mein Blog um mir selber Seiten zu merken und kommentierte das Ganze noch ein bisschen. Das es noch andere lesen KÖNNEN, das ist schön - aber ich muss deshalb nicht in irgendwelchen Social-Bookmarking-Hitparaden aufsteigen. Liebe Leute - nehmt diese ganzen unsäglichen SEO-Tipps bitte nicht so ernst. Das ist alles heiße, schlechte Luft aus dem Hals von Dieter Bohlen. Es kann (und muss) nicht jeder ein “Star” sein.
Und die 20 EUR, die durch Google-Werbung oder T-Shirt-Verkäufe (Prust!) reinkommen täten, lohnen den ganzen Spam-Aufwand sowieso nicht. Ganz zu schweigen von der hässlichen Verunzierung, die solche Werbemaßnahmen mit sich bringen. Nicht vergessen - mit “Geld verdienen” verdienen vor allem die Leute einen Haufen Geld, die dir welches versprechen!
Twitter ist ein prima Tool für faule Blogger - wenn ich mir die Blogs der Leute so ansehe, die viel twittern, sehe ich, die schreiben auch schon viel weniger. Und auch dort halte ich es übrigens für völlig Banane, anzustreben, dass einem wunderweißwieviele Leute “zuhören”. Stell dir vor, die antworten alle! Es geht darum, sich mit ein paar Leuten zu vernetzen. Der Witz ist gerade nicht, dass man als Einzelner 1000 Leute erreicht, sondern dass Twitter irrsinnig viele Mikro-Netzwerke beherbergt, zwischen denen die heißesten News blitzschnell nach oben befördert werden.
Auch bei Blip.fm ist nicht mein Ziel, dass ich persönlich viele “Anhänger” finde, sondern dass man durch Leute, deren Geschmack man schätzt, viele neue Stücke kennenlernt. In einem sehr individuellen Radio-Stream. Es ist ein cooles Werkzeug - aber um Gottes Willen keine Bühne.
Nein nein, das Verhältnis aus Postings schreiben und lesen, sollte ausgewogen sein, finde ich. Und ich will auch mal in Urlaub fahren können, ohne dass ich einen Gastschreiber einstellen muss, weil mir sonst der Traffic wegbricht… Die beste Bühne ist und bleibt immer noch das Theater. Ahoi!
(geschrieben mit dem angenehmen Stress-Tool “write or die“)




Schöner Spammen