“Leuchtturmprojekt” FragFINN.de
“Mit dem Portal fragFINN.de ist der erste geschützte Internet-Zugang für Kinder in Deutschland gestartet. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) schaltete am Donnerstag in Berlin die Webseite frei (Anm.: mit so einem lustigen Buzzer), die Zugang zu ausschließlich kindgerechten Angeboten bietet.”
Naja, auf den ersten Blick handelt es sich um eine dürftige Zusammenstellung von Seiten, die man mit etwas Fantasie auch noch selber gefunden hätte: Löwenzahn, die Sendung mit der Maus usw.
Das eigentlich Innovative soll wohl dieser “geschütze Surfraum sein“: Mittels Toolbar für den InternetExplorer können sich die Kinder nur auf den Seiten einer redaktionell erstellten Whitelist bewegen – für den Firefox soll sich die OpenSource-Gemeinde wohl selber was zusammenbasteln. Gut vorstellbar, dass der Sponsor Microsoft da seine Finger im Spiel hat. Kleiner Trost: So eine Tooblar kann sich jeder ganz leicht selber basteln. “Nach wenigen Klicks ist eine Toolbar für Internet Explorer und Firefox fertig, ganz ohne Programmierkenntnisse.”
Aber gut, was wirklich zählt ist, wieviele wertvolle Inhalte angeboten werden. Laut eigenen Angaben sind schon ganze 35 (!) “gute Internetadressen für Kinder” auf der Liste. Mich würde brennend interessieren, ob man nach Aktivierung dieser Toolbar noch die Sponsorenlinks wie Google oder Lycos anklicken kann… Und was ist mit den Links, die von den ‘guten‘ Seiten aus weiterführen? Ist dann da Ende Gelände?
Natürlich gibt es längst z.T. ehrenamtliche Angebote oder solche von öffentlich-rechtlichen Sendern, die genau das leisten, also einen gut gepflegten Webkatalog speziell für Kinder oder moderierte Chat-Räume. (Selbst bietet die Seite so etwas gar nicht an, sondern verweist nur auf bestehende Möglichkeiten). Blindekuh ist z.B. eine empfehlenswerte Suchmaschine speziell für Kinder und die gibt’s schon seit 10 Jahren!
Millionen von Frau Merkel
Aber ein pseudoneues Projekt reicht noch nicht: 1,5 Millionen mag man für weitere Kinderseiten ausgeben:
“Aus dem Fördertopf werden Zuschüsse für neue Projekte bezahlt. Kosten für den Unterhalt und die Pflege eines Internetangebotes können für höchstens 3 Jahre veranschlagt werden. Für besonders herausragende Vorhaben können Ausnahmen zugelassen werden. Es können Zuschüsse bis zu 200.000 Euro bewilligt werden. Ein förderungsfähiges Internetangebot darf in den ersten 12 Monaten des Förderzeitraums grundsätzlich nicht kommerziell verwertet werden.”
Das bedeutet, jeder kann jetzt also eine lustige Kinderseite produzieren, Fördergelder dafür absahnen und, wenns gut läuft, nach einem Jahr alles mit Werbung vollmatschen oder verkaufen. Kinder sind schließlich eine Supi-Zielgruppe.
Apropos Kommerz: Das ist für FragFinn.de gar kein Kriterium, Seiten wie “Barbie” oder “Toggolino” vom Privatsender SuperRTL werden bedenkenlos empfohlen. Und natürlich möchte in der Fußzeile jeder der vielen tollen Sponsoren genannt und verlinkt werden.
Warum ausgerechnet Google selbst keine “Kindersuche” anbietet, finde ich seltsam. Vielleicht mag man nichts garantieren? Für die Eltern gilt übrigens trotz allem die Aufsichtspflicht. Das ist auch garantiert sicher.
