“Die hohe Förderung von Solarstrom belastet massiv die Verbraucher, sie nützt vor allem den Herstellern in Asien und sie bringt für den Klimaschutz auf absehbare Zeit überhaupt nichts.”
Diese Aussage ist das Fazit eines ansonsten so seriösen Verbrauchermagazins, das über Skandale informieren soll. Wäre es nicht ein Skandal, wenn es sich dabei statt guter Recherche um einen untergeschobenen PR-Beitrag durch irgendeine Lobby handelte? Die seltsam widersprüchliche Argumentation deutet jedenfalls stark darauf hin:
1. Die hinterhältigen Asiaten
Das erste Argument gegen die Solaranlagen ist, dass sie vorwiegend aus Asien kommen. Einerseits stammen “…mehr als 60% aller in Deutschland verbauten Module aus Asien” – auf der nächsten Grafik erfahren wir dann aber, dass Deutschland sowieso nur 21% der Module fertigt.

Die hier produzierten Module reichen also für den heimischen Markt gar nicht aus, da hier “mehr als die Hälfte” aller Module installiert werden. Ja, woher sollen wir sie denn sonst nehmen? Es wird der Eindruck erweckt, “die Asiaten” wollten bei uns zum einen Arbeitsplätze vernichten und kassierten zusätzlich eine europäische Förderprämie ab. Warum asiatische Module schlechter sein sollen als deutsche, wird nicht weiter begründet.
2. Der geschröpfte Steuerzahler
“Allein die bis 2007 installierten Module belasten die Stromkunden in den nächsten 20 Jahren mit 26,5 Milliarden Euro.”
Ich wüsste zu gerne, was z.B. Atom- oder Kohlekraftwerke den Steuerzahler langfristig kosten? Es ist sicher nicht sooo billig, verstrahlten Müll tausende von Jahren in Salzminen ausfzuschichten.
In der Tat verteuert das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) für den Durchschnittsverbraucher den Strom um etwa 2,5 %. Mit diesem Geld werden also Solaranlagen subventioniert, die sich nach etwa 4 Jahren tragen und sich gut 25 Jahre betreiben lassen. Aber was macht das aus im Vergleich zu den momentan üblichen krassen Preiserhöhungen der großen Stromkonzerne? Die möchten natürlich gerne verhindern, dass etwa durch massenhaft privat installierte Photovoltaik-Anlagen ein dezentrales Netz entsteht.
Jedenfalls sorgt “die seit dem 1. Januar 2004 gültige gesetzliche Regelung für die Vergütung von Strom aus Photovoltaikanlagen nach Auffassung der Solar-Verbände dafür, dass sich der Betrieb von Solarstromanlagen in Zukunft rechnet. Auf der Grundlage der neuen Regelung erwartet die Industrie auch künftig Wachstumsraten von jährlich 25 Prozent*.”
3. Solarzellen und Emissionsrechte
“Und dann gibt es da noch eine Frage: Was trägt die massiv geförderte Solarstrombranche eigentlich zum beabsichtigten Klimaschutz bei? Die verblüffende Antwort: Derzeit rein gar nichts! (…) Wie kann das sein? Solaranlagen produzieren doch sogenannten sauberen Strom, weithin frei von C02. Das ist unbestritten. Und trotzdem wird der C02-Ausstoß dadurch nicht sinken. Der Grund: Die Europäische Union legt seit Jahren für die Stromkonzerne verbindlich fest, wie viel C02 sie ausstoßen dürfen. In der Zeit von 2008 bis 2012 liegt diese Obergrenze bei 453 Millionen Tonnen C02 pro Jahr. Die Unternehmen bekommen jedes Jahr sogenannte Zertifikate, teils zugeteilt, teils müssen sie ersteigert werden.” (…) Daraus ergibt sich für den Autoren die Schlussfolgerung: “Die Emission wird nicht tatsächlich eingespart, sondern nur verlagert.”
Das ist natürlich Blödsinn! Die vereinbarte Obergrenze von 453 Mio Tonnen ist gerade das Einsparziel und kann zukünftig schrittweise gesenkt werden. Das setzt noch nicht ganz die Auflagen des Kyoto-Protokolls um, aber immerhin! Das ist doch der Fortschritt! Bisher konnte der ganze Dreck unbekümmert verblasen werden – und inzwischen ist die Ausstoß-Menge innerhalb Europas begrenzt und es wird richtig teuer, ein Dreckschwein zu sein. Wobei die “Dreckschweine” zur Zeit ein gewisses Kontingent in Form von Zertifikaten geschenkt bekommen.
Dass ein Energie-Unternehmen, das keinen oder weniger Dreck produziert, davon profitiert – ist doch wundervoll! Und wer bekommt die Emissionsrechte bei privaten Photovoltaik-Anlagen und kann sie gewinnbringend versteigern? Die Anlagenbetreiber – also theoretisch auch ich und du!
Wollen wir also hoffen, dass zukünftig gar keine Emissionsrechte mehr kostenlos zugeteilt werden, sondern alle ersteigert werden müssen. Das würde den Markt noch mehr beleben – und die Energie müsste nicht einmal teurer werden*.
Quellen:
Kategorie: Modernes Leben, Realitäten, Television