Spaghetti-Wurst-Tutorial

(via fraencko)
Im hyperinflationären Simbabwe dürften derzeit sogar Kabelbinder als Zahlungsmittel gelten. Nun sind Kabelbinder wie die meisten unscheinbaren Massenprodukte eigentlich wertlos, d.h., ihr Herstellungspreis pro Stück liegt bei Null Cent. Auch Baumärkte leben bekanntlich davon, Gummiringe für teuer Geld einzeln zu verpacken, obwohl so ein Gummiring so gut wie nichts kostet.
Leere Original-Verpackungen von teuren technischen Anschaffungen werden übrigens auch bei uns inzwischen hoch gehandelt. 20 EUR für einen Apple-Karton sind da durchaus drin.
Demgegenüber steht der stark wachsende Handel mit virtuellen Gütern, die mit realem Geld bezahlt werden, physisch aber nicht existieren: Musik, Ebooks, “Items” in Onlinespielen – die man sogar in ganz realen Läden kaufen kann.
“Guthaben” bekommt man in Form einer Nummer auf den Kassenbon gedruckt – aber manch virtuelles Produkt ist da schon aufwändiger verpackt. Höchste Zeit also einen Preis auszuloben für das hübsch verpackteste Nichts, das derzeit zu haben ist. Hier sind zwei beispielhaft Nominierte – die Jury ist für viele weitere Vorschläge dankbar:
1. Deutsche Post AG mit der “Clevercard”
Die Post bringt es fertig, Hyperlinks auf Pappkärtchen zu verschlüsseln, die von den freiwilligen Abonnenten mit einem speziellen Lesegerät zu Hause aufgerufen werden können. Links per Post verschicken, das ist kühn und originell – und nachvollziehbar, wenn man geschäftsmäßig mit Adressen handelt – aber eben auch vollkommen sinnlos. Außerdem sind die Produkte und sogar das Lesegerät kostenlos, das gibt Punktabzug! Prognose: Höchstens für ältere Internet-Neulinge mit ausgeprägter Rabattsystem-Affinität interessant.

2. Nintendo of Europe für die “Wii Points Card”
Für das Guthaben im eingebauten “Wii Shop Channel” bekommt man nicht nur einen lieblosen zufälligen Zahlensalat auf einem Kassenbon, nein, man bekommt einen Haufen Material: Einen Hochglanzpappschuber mit eingelegter Karte und zwei Broschüren: Eine zwölfsprachige Bedienungsanleitung und einen Werbeprospekt. Natürlich alles mit dem Original Nintendo “Seal of Quality”. Das macht viel her!

Nur beim aufmerksamen Lesen von Bedienungsanleitungen eröffnet sich der gesamte Funktionsumfang von Elektrogeräten, sofern er sich nicht intuitiv erschließen lässt. Mein neuer vollelektronischer Eierkocher EEK2 vom Aldi der Firma Tevion beherrscht z.B. das “gleichzeitige Kochen von Eiern verschiedener Härte”! Leider macht man das nicht gerade oft – und so vergisst man seine verborgenen Talente wieder schnell.
Ebenso interessant sind auch die Fantasien der Hersteller, zu welchen Zwecken man ihre Apparate missbrauchen könnte. Leider wird man da selten konkret: “Das Gerät ist nicht dafür bestimmt, mit einer externen Zeitschaltuhr oder einem seperaten Fernwirksystem betrieben zu werden.” Was immer das sein könnte.
Neben seltenen bzw. überflüssigen Funktionen haben elektronische Geräte darüber hinaus manchmal Funktionen, die nur dem Hersteller und wenigen Eingeweihten bekannt sind. Durch einen Zufall löste ich einmal bei einer Stereo-Kompaktanlage den “Display-Demo-Modus” aus – ein hypnotisch blinkendes Ziffern-Ballett, das wirkte wie ein Geldspielautomat, der neue Spieler anlocken will…
Widmen wir uns heute aber dem Zepter der Neuzeit – der Fernbedienung. Wer komfortabel zwischen zwei (oder mehreren) Sendern hin- und herwechseln möchte, programmiert entweder seine Senderliste jedesmal um – oder legt beim Kauf der Fernbedienung Wert auf eine Recall-Taste. Sie ist das Pendant zum “Back-Button” in handelsüblichen Browsern.
Recall-Funktion (über Recall-Taste Wechsel zwischen vorherigem und aktuellem Sender) mit Umschaltung auf 8-fach Recall-Funktion. (HDTV Receiver eycos S 80.12 HD PVR)
Mich erstaunt sehr, dass diese Funktion sich hierzulande so wenig durchgesetzt hat. In amerikanischen Hotels ist nicht nur sie obligatorisch – auch eine Sleep-Funktion haben dort alle Geräte. Man möchte schließlich ungern von Telefonerotik-Werbung geweckt werden, wenn man vor der Glotze eingepennt ist.
Die “Kindersicherung mittels Passwort” halte ich dagegen für eine überbewertete Funktion.
Der Google-Suchtipp: #Elektrogerät hidden funktions