Aromadüsen

Der Absatz des Tages

Niederländische Psychologen um Rob Holland haben Probanden in einen kaum merkbar mit Zitronenduft parfümierten Raum gesetzt. Die Probanden erkannten in einem ersten Test viel schneller als die Kontrollgruppe Wörter, die mit Sauberkeit zu tun hatten. Als sie auflisten sollten, was sie im Laufe des Tages noch vorhatten, schrieben 36 Prozent (im Vergleich zu 11 Prozent) etwas auf, das mit Putzen zu tun hatte. Und als sie nach dem Experiment einen Keks essen durften, wandte die dem Duft ausgesetzte Gruppe viel mehr Zeit dafür auf, die Krümel zu entfernen.

Der ganze wunderbare Artikel in der Zeit. (via Twittertim.es)

Verstaubte Moral

Der Samstagabend auf Pro7 hätte sich ähnlich auch auf Arte abspielen können: Eine Dokumentation über Partnerschaften heute und zwei Trash Retro-Dokus von Oswalt Kolle. Davor lief eine Clip-Show unter dem Motto “Die 10 geilsten Szenen aus Erotik-Thrillern der 90er”, kommentiert von Gülcan, Ex-Big-Brother-Bewohnern und einer Drag-Queen, die nach eigenen Angaben für irgendwas berühmt ist. Wieso braucht man eigentlich für so was diese C-Promis? Man könnte die gleich mit einer eigenen Casting-Show züchten. So hätte man eine neue Show UND wirklich schlagfertige Kommentatoren für unzählige weitere Shows!

Liebe als Gesellschaftsspiel

“Die Zukunft hat schon begonnen. Eine Zukunft, in der wir alle unsere Sexualität ohne Schuldgefühle erleben können. Schon heute herrscht eine sexuelle Freiheit, die wir uns vor wenigen Jahren nocht nicht vorstellen konnten. (…) Die Menschen der Zukunft werden immer weniger arbeiten und deshalb immer mehr Freizeit haben, die sie sinnvoll nützen wollen. Hier wird die Sexualität zu einem abwechslungsreichen Spiel, bei dem man seine Mitmenschen besser kennenlernen und sein Erlebnisfeld dadruch vergrößern kann. (…) (Oswalt Kolle: “Liebe als Gesellschaftsspiel”)

Airwick \

Und dann mitten zwischen rauchenden studentischen Gruppensexknäulen – zwei total deplazierte Werbespots: Der eine für ein neues Raumbeduftungsverfahren, der andere für ein Babydesinfektionsmittel. Airwick möchte uns jetzt tatsächlich ein Gerät verkaufen, das automatisch zwischen zwei unterschiedlichen Düften abwechselt! Das soll sich wohl an diejenigen richten, die schon gar nichts mehr von ihren permanenten Parfümverströmern mitbekommen. Warum uns das aber ausgerechnet eine computeranimierte Tierfamilie verklickern soll, die aus Pinguinen, Bären und Schweinen besteht, bleibt ein unlösbares Rätsel.

Sagrotan Gruselwerbung

Sagrotan hat einen weiteren Gruselschocker produziert, der uns Angst vor den kleinsten Mitbewohnern in unserem Haushalt machen soll: In einer surrealen Alptraumsquenz wird uns allen klar, dass nur mit Sagrotan alles so sauber wird, dass man glatt aus der Kloschüssel essen möchte. Oder wie ist das zu deuten? Schneidebretter mit Sagrotan zu desinfizieren halte ich jedenfalls für eine bescheuerte Lösung. Und ich hoffe, dass die jungen Mütter sich nicht kirre machen lassen – es ist sogar völlig unschädlich, wenn der Hund dem Baby übers Gesicht leckt! Eine Alternative für überängstliche Mütter: Plüsch-Mikroben!

Sagrotan Gruselwerbung

Jedenfalls scheinen unsere Moralvorstellungen heute immer noch nicht wesentlich freiheitlicher geworden zu sein – auch wenn wir uns heute über diese Aufklärungsfilme lustig machen. Darauf wollte ich hinaus, glaube ich…

Essbare Seife? Seifiger Käse?

Käseladen

LUSH – was irgendwas zwischen “besoffen”, “abgefahren” und “üppig” bedeutet, gibt es nun auch in meiner Stadt. Es ist ein hipper neuer amerikanischer Laden, durch dessen Schaufenster nur schwer zu erraten ist, was genau dort feil geboten wird. Von außen hat man den Eindruck, es handle sich um ein exquisites Käsegeschäft, kommt man durch die Türe, denkt man unwillkürlich an eine Parfümerie. Diesen sinnlichen Trugschluss bekommt das Gehirn innerhalb der nächsten Minuten nicht mehr aufgedröselt.

Zwar kaufe auch ich am liebsten Schaumbad, das so riecht, als ob man es essen könnte – aber das ist mir dann doch zu extrem: Da gibt es Duschgel in glitschiger Wackelpuddingform, abgepackt wie Frischkäse und Honigseife in Form von riesigen Käselaiben. Es gibt dort “vegane” Seife, ja was sagt man denn dazu? Man wird von hippem Personal dazu aufgefordert, mit Sprudelballbruchstücken in Wasserschüsseln rumzuplantschen.

Sehr bizarr das alles – vor allem auch die Preise: 100 Gramm Seife für 5 EUR? Hallo – ist Seife nicht eigentlich etwas super Billiges? Mir scheint, hier wird der Boom der selbstgemachten Dinge kommerzialisiert. Nach wenigen Minuten konzentrierter Parfümkaskaden kriege ich Kopfweh. Auf in den Schokoladenladen! Da kann man die Waren wenigstens wirklich essen.

Seifenladen

Selbstgemachte Seife, Badepralinen oder Sprudelbälle sind aber ein grundsätzlich zu befürwortendes Trend-Hobby und eine lustige Sauerei! Tolle Seifenrezepte gibts auch bei schattenbaum.net

Duft-Jockeys und Wunderbäumchen

Erst seit dem Rauchverbot fällt auf, dass es in unseren Diskotheken ganz schön müffelt – der kalte Kippenmief der letzten Jahrzehnte hat sich tief ins Mauerwerk gefressen und ein Pulk tanzender Alkoholisierter trägt auch nicht gerade positiv zum Nasen-Ambiente bei. Eine große Marktlücke tut sich da nicht auf, aber die Nische ist noch nicht ausgereizt! (Nach Maiglöckchen duftende Fototapeten gibt es zum Beispiel noch nicht)

“Kräftige Ventilatoren verteilen dann die erzeugten Duftkompositionen begleitend zur Musik. Das Ganze läuft meist über 30 minütige Sets, bei denen sich unterschiedliche Duft- und Musik-Welten abwechseln. Zum Einsatz kommen ausschließlich organische Öle und aromatische Gewürze.” (Ideentower)

Auf die Dauer ist das aber keine Lösung – viel zu teuer für die Gastronomen! Es dürfte auch ähnliche Schwierigkeiten geben, wie bei dem Versuch in den 60er Jahren, den Riechfilm zu etablieren:

Leider funktionierte es nicht, wie beabsichtigt. Die vielen Zischgeräusche der Aromadüsen lenkten vom Film ab und das Publikum auf den Balkonen beschwerte sich, daß sie die Gerüche erst einige Sekunden nach der gezeigten Tätigkeit erreichten. In anderen Teilen des Theaters waren die Gerüche zu schwach, was die Zuschauer veranlasste laut zu schnüffeln, um den Geruch einzufangen. Diese technischen Probleme, in Verbindung mit negativen Berichten über den Film selbst, signalisierten das baldige Ende von Smell-O-Vision.

Man könnte auch mal wieder gründlich renovieren, bleiben allerdings die Schweiß- und Alkoholausdünstungen. Gegen die hilft nur bewährte Chemie, als da wären:

  • Wunderbaum: Der Wunder-Baum erfrischt die Luft in jedem Raum! Seit über 30 Jahren sorgt die Firma Böhm aus Schweinfurt mit ihren Baumelbäumchen hauptsächlich in Autos dafür, dass man nicht mehr das Fenster runterkurbeln muss, wenn man durch den Schwarzwald cruist. Berüchtigt sind die von Ihnen verursachten Vanillekopfschmerzen. Es soll helfen, die Folie immer nur Stück für Stück von dem Bäumchen zu ziehen (sieht allerdings doof aus). Wenn Böhm jetzt noch eine glitzernde Variante in sein Sortiment aufnimmt, könnte diese demnächst die Diskokugel ersetzen.
  • Febreze: Mit dem “Geruchsneutralisierer” verwandelt sich selbst aggressiver Turnschuhmief in einen zarten Frühlingsmorgen à la Kirschblüte & Magnolie. Bei Events ließen sich eigens dafür angeheuerte Febreze-Miezen einsetzen, die sich mit zauberhaften Zerstäubern unters Volk mischen.
  • Ohne Personalkosten und viel unaufdringlichfälliger geht es mit dem ganz neuen “Fresh Matic“: Er “versprüht seinen Duft automatisch und in programmierbaren Intervallen. Bis zu 60 Tage ganz von selbst.” (Und nein, es ist KEIN gesponserter Trigami-Link). Ein System für Großverbraucher gibt es leider noch nicht.

Bild von: Deine Heimat