Wer sich dieser Tage über exorbitante Geldvermehrung oder -Entwertung wundert, kann sich dies anhand einer neuen Form des “Entertainment Shoppings” illustrieren lassen:
Swoopo (früher Telebid) heißt die Website, die in derzeit 5 Ländern ihr Geschäftsmodell betreibt. Das Prinzip: Mit jedem abgegebenen Gebot steigt der Preis des Produktes um 10 Cent und die Auktionszeit verlängert sich automatisch um bis zu 20 Sekunden. Ein Gebot kostet 50 Cent. Der letztbietende Teilnehmer erhält den Zuschlag, wenn die Zeit abgelaufen ist. (PR)

Spannend soll das sein, Nervenkitzel, Action - eine lustige Unterhaltung. Dabei sollen am Ende Verkaufspreise erzielt werden, die angeblich “im Schnitt rund 65 Prozent im Vergleich zur unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers” liegen. Nach verlockenden Schnäppchen hört sich das an.
In Wahrheit ist es aber ein Glücksspiel und keine amerikanische Auktion, wie sie selten auch hierzulande für gemeinnützige Zwecke durchgeführt wird. Auf den süchtig machenden Glücksspielcharakter wird nirgends hingewiesen.
Der Haken bei Swoopo sind nämlich die 20 Sekunden, um die sich das Auktionsende nach hinten verschiebt. Die Interessenten schaukeln sich in ihrer Gier bis zu einem fast schon unattraktiven Preis hoch (gemessen an den kostenpflichtigen Geboten). Natürlich möchte man nicht leer ausgehen, nachdem man all seine “Swoops” verjubelt hat. Die “Schnäppchen” sind für alle Teilnehmer zusammen in Wahrheit also ein unfassbarer Wucher.
Bemerkenswert ist, dass eigentlich nicht mal “Markenprodukte” wie iPhones oder Plasmafernseher notwendig sind - häufig kann man auch einfach Bargeld oder weiteres Swoop-Guthaben “ersteigern”. Das erwirtschaftete Geld kann sich jeder selbst leicht ausrechen: Preis mal 10 mal 50ct + Gebot.
Aus einer “Canon EOS 450D”, die für 213,20 EUR über den Tisch geht, ergeben sich so theoretisch 480,20 EUR Reingewinn - wenn wir die 799.- Preisempfehlung abziehen. Um günstige Einkaufspreise braucht man sich freilich bei derartigen Gewinnmargen nicht zu kümmern. Ein Mitarbeiter könnte sie einfach im nächsten Elektromarkt abholen und zur Post bringen.
So ein System funktioniert aber auch nur dann, wenn genug Leute mitspielen, da sonst das Risiko besteht, dass wirklich jemand ein neues Auto für einen Apple und ein Ei “ersteigert”. Eine Analyse der bisher getätigten Auktionen ergibt, dass es auffällig viele Mehrfachgewinner gibt - die äußerst seltsame Nicknames tragen!
Für 2008 werden 20 Mio. EUR Umsatz angepeilt. Das ist ganz schön beachtlich und für das selbe Geld müssen auf 9live mindestens 1-2 Monate Programm produziert werden. Mag sich da nicht vielleicht mal die Staatsanwaltschaft für interessieren?
Kategorie: Spitzfindigkeiten