Spitzfindigkeiten

Denksportaufgabe

Die Grafiker von den Tagesthemen haben eine schöne Illustration für die momentanen Koalitionsverhandlungen gefunden: Einen Zauberwürfel in Parteifarben. Schon DREIMAL habe ich das in der letzten Woche gesehen! Der Abbildung oben ist leicht anzusehen, dass so eine Version von Rubik’s Cube unlösbar wäre - aber vielleicht ist das ja gerade Absicht?

Wer genauso spitzfindig ist, wie ich, kann sich mal darüber Gedanken machen, ob die neueste Abwandlung der Illustration lösbar ist, oder nicht ;-)

Wunschkredit

Na, wenn das mal nicht eine ganz tolle Garantie* ist:

*Gelingt es extrakredit nicht ein Angebot zur Ablösung aller fremden Verbindlichkeiten zu machen, wonach die monatlichen Ratenbelastungen des Antragstellers reduziert werden, erhält der Antragsteller 100 Euro ausgezahlt - vorausgesetzt der Kredit ist nach den bindenden internen Richtlinien der Bank genehmigungsfähig. Jeder Antragsteller kann die Vorteilsgarantie nur einmal in Anspruch nehmen.

100 EUR geschenkt und einen neuen womöglich noch viel teureren Kredit am Hals. Kriegt man die 100 Ocken eigentlich bar oder werden die mit der ersten Rate verrechnet? Vielleicht kriegt man auch einen Gutschein für 9-Live-Quizguthaben? Das wäre doch fein.

Schießschuhe

Dieses Angebot sollten Sie nicht verpassen:

Schützensport

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Nein, das ist nicht das Passwort für mein Blog - es ist der Name eines umstrittenen neuen Kühlmittels für Klimaanlagen in Autos. Hat man je einen dooferen Namen gehört?

Da macht man sich immer über IKEA lustig, weil sie ein konsequentes Naming betreiben - dabei tragen die Produkte nicht die schlechtesten Namen. So werden von IKEA z.B. Badezimmerartikel nach “skandinavischen Seen, Flüssen und Meeresbuchten” benannt. Das macht fast irgendwie Sinn! Und wenn ich mich recht erinnere, hatten Möbel früher überhaupt keine Namen - höchtens berühmte Stühle hießen wie ihre Designer oder Hersteller. Inzwischen trifft man in vielen Wohnungen Billy, Molger oder Duderö an - wie alte Bekannte.

Von Elektronik-Herstellern ist man kryptische Zeichen-Kombinationen ja gewohnt - obwohl Walkman und iPhone wohl beste Beispiele dafür sind, dass gute Produkte immer auch gute Namen haben. Wo der Unterschied zwischen einer DMC-FX100EG-K und einem NWZ-S615FB liegt, kann man nur raten. Die Systematik bleibt für den Kunden unnachvollziehbar.

Die Produkte unserer Chemieriesen haben aber meistens lyrische Namen. Manchmal hat man fast den Eindruck, sie erfinden den Namen für ein neues Düngemittel mit Hilfe eines Fantasy-Rollenspiel-Generators. Vielleicht inspiriert man sich auch an Rennpferden? Die müssen alle einen einmaligen Namen haben - wovon leider nur noch wenige übrig sind. Zur besonderen Freude der Live-Kommentatoren… Kunststoff- oder Spritzmittelmarken heißen z.B. Calypso, Teldor, Brasan, Fandango, Champion, Degulan, Fortron, Kel-F oder Pollopas.

Ganz speziell sind natürlich auch die Waschmittel, obwohl die von jedermann gekauft werden: Vizir, Bref, Febreze, Sil und Spee? Oder ein Shampoo, das schlicht Fa heißt! Mir scheint, hier soll jedes Mal ein einzigartiger Name erfunden werden - mit dem Erfolg, dass sie sich alle seltsam ähneln.

Geldmaschine “Swoopo”

Wer sich dieser Tage über exorbitante Geldvermehrung oder -Entwertung wundert, kann sich dies anhand einer neuen Form des “Entertainment Shoppings” illustrieren lassen:

Swoopo (früher Telebid) heißt die Website, die in derzeit 5 Ländern ihr Geschäftsmodell betreibt. Das Prinzip: Mit jedem abgegebenen Gebot steigt der Preis des Produktes um 10 Cent und die Auktionszeit verlängert sich automatisch um bis zu 20 Sekunden. Ein Gebot kostet 50 Cent. Der letztbietende Teilnehmer erhält den Zuschlag, wenn die Zeit abgelaufen ist. (PR)

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Spannend soll das sein, Nervenkitzel, Action - eine lustige Unterhaltung. Dabei sollen am Ende Verkaufspreise erzielt werden, die angeblich “im Schnitt rund 65 Prozent im Vergleich zur unverbindlichen Preisempfehlung des Herstellers” liegen. Nach verlockenden Schnäppchen hört sich das an.

In Wahrheit ist es aber ein Glücksspiel und keine amerikanische Auktion, wie sie selten auch hierzulande für gemeinnützige Zwecke durchgeführt wird. Auf den süchtig machenden Glücksspielcharakter wird nirgends hingewiesen.

Der Haken bei Swoopo sind nämlich die 20 Sekunden, um die sich das Auktionsende nach hinten verschiebt. Die Interessenten schaukeln sich in ihrer Gier bis zu einem fast schon unattraktiven Preis hoch (gemessen an den kostenpflichtigen Geboten). Natürlich möchte man nicht leer ausgehen, nachdem man all seine “Swoops” verjubelt hat. Die “Schnäppchen” sind für alle Teilnehmer zusammen in Wahrheit also ein unfassbarer Wucher.

Bemerkenswert ist, dass eigentlich nicht mal “Markenprodukte” wie iPhones oder Plasmafernseher notwendig sind - häufig kann man auch einfach Bargeld oder weiteres Swoop-Guthaben “ersteigern”. Das erwirtschaftete Geld kann sich jeder selbst leicht ausrechen: Preis mal 10 mal 50ct + Gebot.

Aus einer “Canon EOS 450D”, die für 213,20 EUR über den Tisch geht, ergeben sich so theoretisch 480,20 EUR Reingewinn - wenn wir die 799.- Preisempfehlung abziehen. Um günstige Einkaufspreise braucht man sich freilich bei derartigen Gewinnmargen nicht zu kümmern. Ein Mitarbeiter könnte sie einfach im nächsten Elektromarkt abholen und zur Post bringen.

So ein System funktioniert aber auch nur dann, wenn genug Leute mitspielen, da sonst das Risiko besteht, dass wirklich jemand ein neues Auto für einen Apple und ein Ei “ersteigert”. Eine Analyse der bisher getätigten Auktionen ergibt, dass es auffällig viele Mehrfachgewinner gibt - die äußerst seltsame Nicknames tragen!

Für 2008 werden 20 Mio. EUR Umsatz angepeilt. Das ist ganz schön beachtlich und für das selbe Geld müssen auf 9live mindestens 1-2 Monate Programm produziert werden. Mag sich da nicht vielleicht mal die Staatsanwaltschaft für interessieren?

QUATSCH MIT SAUCE

Langsam finde ich Gefallen an diesen zwiebelfischig spitzfindigen Themen. Die Überschrift ist schon mal sehr gelungen. (Ihr sagt dann bitte Bescheid, wenn euch die Klugscheißerei ankotzt.) Aber unsere Sprache stellt uns täglich frische Stolperfallen und es wäre doch ein Jammer, sich nicht darüber auszulassen - diesmal: Die Speisekarte.

Jetzt könnte man zunächst irrwitzige thailändische Speisekarten hervorkramen - aber dass in übersetzten Speisekarten zuweilen erheiternde Fehler vorkommen, finde ich immer wieder schön und ich werde den Teufel tun und hier hämische Witze reißen. Müsste ich eine Speisekarte ins Chinesische übersetzen, hätte ich ganz ähnliche Probleme.

Bei deutschen Speisekarten hingegen lege ich Wert auf jedes Tüpfel! Interessant an Speisekarten allgemein ist die Tatsache, dass es für internationale Gerichte auch international gültige Bezeichnungen gibt. Die “Forelle Müllerin” bezeichnet z.B. eine gebratene Forelle - und so muss sie dann auch auf den Tisch kommen, ob in Paris, New York oder Dubai. In den USA heißt diese Zubereitsungsart übrigens “Müllerin style“. Es ist also üblich, den Namen aus der Sprache beizubehalten, aus der das Gericht stammt. So trägt die “Sauce Hollandaise” ganz zu Recht einen französischen Namen.

Und genau da liegt der Hase in der Pfeffersauce *prust*! Obwohl wir die “Sauce” längst eingedeutscht und in “Soße” verwandelt haben, heißt sie “fachsprachlich” immer “Sauce”. Das liegt wohl daran, dass in den namhaften Küchen dieser Welt meist Französisch bzw. Englisch gesprochen wird.

Aber ein deutsches Gericht, das eine deutsche Bezeichnung trägt, muss denn auch so geschrieben werden: z.B. Spätzle mit Soße. Oder die berühmte Frankfurter Grüne Soße. Schokoladensauce finde ich auch nicht schön. Meinetwegen dürfen die Fachleute in ihrer Küche Soßen aus verschiedenen Sprachen zusammenrühren - als Gast möchte ich mit derlei Sprachzwittern nichts zu tun bekommen!

Ein weiteres Debakel ist das scharfe S ganz allgemein. Schriftsetzer und Grabsteinmetzen mochten es noch nie, weil man sich seit 100 Jahren immer noch nicht auf eine offizielle Majuskel (Großbuchstabe) geeinigt hat und Schrift-Gestalter sich daher meist die Mühe sparen. Schon das kleine ß ist beileibe nicht in jedem Schriftsatz enthalten. Frech wird es da neuerdings selbst in namhaften Werbekampagnen durch ein Doppel-S weggemogelt.

Die notbehelfsmäßige SOSSE steht also immer schlechter da als eine SAUCE - das trägt ebenfalls zur Verbreitung der Schreibweise bei.

Mit solchen Ausreden ist aber nun endgültig Schluss - am 23. Juni 2008 trat die entsprechende Ergänzung der Norm ISO/IEC 10646 in Kraft. Ganz offiziell bekommt das große scharfe S nun seinen Platz im größten Alphabet der Welt: Dem Unicode. Da können sich die Speisekarten-Designer also zukünftig nicht mehr vor drücken!

Zeichen Unicode
Position
Unicode
Bezeichnung
Bezeichnung HTML
dezimal
? U+1E9E LATIN CAPITAL
LETTER SHARP S
Lateinischer Großbuchstabe Eszett ?

Dekomplifizierung

Schneckenpost

Jörg Pilawa hat es eine Woche lang ohne sein iPhone ausgehalten und war deswegen gestern extra in einer Talkshow. Es wurde ausgiebig über “Entschleunigung” gesprochen, nicht ohne darauf hinzuweisen, dass das doch eigentlich ein schreckliches “Unwort” sei. Möglicherweise erscheint dann auch bald ein neues Buch dazu (Der Bestseller ist leider schon geschrieben: “Simplify your life“).

Nun, warum ist Entschleunigung eine so fiese Wortmissbildung? Vergraben wir uns ein wenig in der Grammatik: Die Vorsilbe Be- macht intransitive Verben transitiv: Dienen kann man nur jemandem möchte man ein Akkusativ-Objekt dienen, das merkt man sofort, braucht man das be-. Die Vorsilbe kann auch die Wortbedeutung verstärken oder genauer abstufen wie in ‘fragen – befragen‘. Letzteres ist auch bei der Beschleunigung der Fall.

Beschleunigen heißt also soviel wie Verschnellern, sein offizielles Gegenteil ist Verlangsamen. Es stammt von dem putzigen Adjektiv schleunig, das etwas aus der Mode gekommen ist und heutzutage höchstens noch als schleunigst auftritt. Seinerzeit bedeutete schleunig vor allem ‘schnell / ohne Zeitverlust’.
Noch früher gab es das Verb Schleunigen oder Schlaunen, das aber kannten selbst die Brüder Grimm nur noch vom Hörensagen. Das Be- zur Verstärkung hat sich bis heute eingebürgert.

Da wir bereits über das schöne Verlangsamen verfügen, fragt man sich also, was eine Entschleunigung denn wohl für einen Zusatznutzen brächte. Vielleicht ist etwas ganz anderes gemeint? Geht es gar nicht um das Drosseln von Geschwindigkeit sondern nur um eine Art Ausgleich in Form von Yoga-Stunden am Wochenende?

Jedenfalls ist Entschleunigung genauso überkandidelt bzw. falsch wie Entlangsamung. Man spricht auch von Vereinfachung - und nicht etwa von Entkomplexifikation oder etwas ähnlich Schrecklichem…Ich empfehle in diesem Zusammenhang übrigens die Aufdröselung.

Ach so…

Wie bitte?

Im Keim ersticken

Sagrotan Horrortürklinke

Jaa, eklige Keime sind überall! Sie lauern nicht nur in mittelalterlichen Pixar-Welten tief unter dem Rand von Toiletten, wo sie schön ungestört rumkeimen können. Sie tummeln sich auch insbesondere an Buntstiften, wenn man sich den aktuellen Spot von Sagrotan ansieht!

Das ahnungslose Mädchen

Normalerweise sind sie unsichbar und die meisten sind auch harmlos - trotzdem sind wir froh, dass die Agentur von Sagrotan sie für uns so schön anschaulich macht. Das kleine ahnungslose Mädchen* kann die ekligen Keime natürlich nicht sehen, die da auf ihrem Buntstift herumhüpfen wie mutierte Frühstücksflocken - wir dagegen können sie sogar hören!

Keime an der Kaffeetasse

Alle ekligen Keime, Milben und was noch alles der Mikrokosmos beherbergt, werden leider nicht sichtbar gemacht, schon gar nicht, wie schnell sie sich vermehren - da wäre schnell klar, dass man dagegen mit so einem Fläschchen Chemie keine Chance hat.

*(Wissenschaftlicher aber weit weniger verkaufsfördernd würde die Darstellung der Keime wirken, die aus dem Mund der Kleinen an den Stift gelangen.)

Erbrecht!

Da kann man sich toll verlesen! Aber sollte man wirklich jemanden dazu auffordern wollen, müsste es wohl heißen: