Na juhu!
Yahoo ist zuversichtlich, was seine Zukunft angeht. “Heute nutzt die Hälfte aller Internetbesucher in Europa Yahoo.” meint Europa-Chef Rich Riley im Manager-Magazin. Glaubt er das wirklich? Okay, ich habe einen Flickr-Account, den ich kaum noch nutze. Und einen bei Yahoo-Pipes - den ich nie wirklich genutzt habe. Aber Yahoo als Suchmaschine oder gar Startseite? Braucht das jemand? Ich habe jedenfalls keine fünf Minuten Verweildauer gebraucht um ein vernichtendes Urteil zu fällen.
Das “neue” Yahoo also. Ein Portal mit Suchmaske und Mail-Account, wie es solche Seiten gibt, seit ich surfen kann. Viele dieser Portale hat es dahingerafft - andere blieben (dank kostenloser E-Mailfächer). Na gut - such ich doch mal wenigstens was: Ein Video! Die ersten 3 Ergebnis-Seiten liefern Treffer von “Vodpod” - hat man ja auch noch nie was von gehört. Vermutlich eins der vielen Partnerangebote, die Yahoo nun integrieren will: “Bisher haben wir alles allein gemacht. Jetzt haben wir uns geöffnet, um schneller mehr Angebote stemmen zu können. Eines Tages werden die Fremdentwickler die meiste Arbeit übernehmen. Noch aber haben wir eine Mischung aus eigenen und fremden Erfindungen”, so Riley.
Ein Holzweg. Denn niemand will eine individualisierte Website. Die Inhalte unserer liebsten Angebote hübsch übersichtlich aufbereiten? Das werden Smartphone-Apps und Browser-Plugins erledigen. Eine Webseite als “Einstiegstor fürs Internet” wird aber kaum noch jemand ständig besuchen. In den Screenshots der neuen Seite (die erst in 1-2 Wochen wirklich starten soll) werden die externen Module dann demnächst als “Tabs” eingeblendet und nebenan Bannerwerbung. Was solls bringen? Außer Werbefläche?
Und wem z.B. Google immer zu nackt war, kann schon eine ganze Weile mit ‘iGoogle‘ beliebige Internet-Module zusammenfrickeln - braucht zwar auch niemand, funktioniert aber mindestens genauso super. Das einzige, was man übrigens ohne Account bei Yahoo individualisieren kann, ist die Grundfarbe der Website - die den meisten Usern wohl herzlich egal sein dürfte.
Ansonsten besteht Yahoo-Deutschland leider nur aus Links und Widgets, wie man sie z.B. aus der unteren Sidebar von SpiegelOnline oder überall sonst kennt: Horoskope, Preisvergleiche, Reisen und Routenplaner und natürlich - das Wetter. Allgemeines, Nützliches - Brot und Butter. Nichts Wichtiges, nichts Interessantes. Alles glatt und gleich. Das “neue” Yahoo ist sicherlich gut gemeint - aber das ist eben das Gegenteil von gut.
Früher waren redaktionelle Webkataloge eine Konkurrenz für “echte” Suchmaschinen, die viele unpassende Ergebnisse lieferten. Das ist längst überwunden - spätestens, seit Google bereits beim Eintippen errät, wonach man sucht. Hätte man aber die Nutzer irgendwann einbezogen in die Kataloggestaltung - vielleicht wäre das ja was geworden. Aber das ‘Social Bookmarking’ haben dann andere erfunden (und an Google verkauft) und so ist der Web-Katalog endgültig gestorben, auch wenn ich ihn mir jetzt selbst aus Modulen zusammenklicken darf.
Na, ich drücke trotzdem die Daumen. Ist die Seite eigentlich wirklich so nackt, oder liegt das an meinem Werbeblocker?


