Realitäten

Na sowas…

Bin eigentlich davon ausgegangen, dass dieses Blog seit Monaten vom Netz ist – aber es ist noch da und jeden Tag wird es brav von diversen RSS-Abonnenten abgerufen.

Tja, ich bin auch noch da – es geht also weiter. Mit Sicherheit wird sich so einiges ändern – bleibt also wach!

1-Euro-Schuh, die Zweite

Der 1-Euro-Schuh. Das lässt mich gar nicht mehr los. Vielleicht liegt das auch daran, dass zur Zeit eine Menge rührseliger Reklame läuft, in der sich Firmen mit “Spendenaktionen” selbstbeweihräuchern. Beim Windelkauf was Gutes für die armen kranken Kinder tun, Bier trinken für den Regenwald – überall wird uns suggerriert, dass wir mit unserem Konsumverhalten irgendetwas bewirken könnten. Dieser Illusionen kann man sich schön auf ende-der-maerchenstunde.de berauben lassen.

Aber gut, wir bleiben bei den Turnschuhen. Unfassbar unpassender Trackback-Spam erreichte mich heute, untermalt von viel passender Online-Schuhwerbung:

Wie der Adidas Schuh aussehen soll, ist noch nicht klar. Außerdem wisse man noch nicht, ob er überhaupt die bekannten drei Streifen bekommen wird. (…) Denn auch in der Dritten Welt soll man mit (schönen) Schuhen laufen können. Wenn das mal keine nette Geste ist.

Eine nette Geste??? Und warum sollen da keine 3 Streifen drauf? Schämen sich dann die Leute, die sich die teuren Latschen leisten können, wenn die Armen auch damit rumlaufen? Aus Marketing-Sicht natürlich eine nachvollziehbare Entscheidung: Die Käufer könnten sich auch fragen, warum ausgerechnet sie mehr ausgeben sollten.

Die Herstellung des preiswerten Schuhs sei im Rahmen eines sogenannten Social-Business-Projekts geplant, bei dem der Preis eines Produkts gerade die Material- und Herstellungskosten decke. (stammt aus einer DPA-Meldung, die von diversen Online-Zeitungsausgaben, z.B. auch von Bild-Online unverändert übernommen wurde)

Kannste dir die Gewinnspanne ausrechnen, die man macht, wenn man die Material- und Herstellungskosten mal von üblichen Turnschuhpreisen abzieht.

Da drängen sich doch aber Fragen auf wie: Warum wird denn so extrem an Material- und Herstellungskosten gespart, wenn sie doch so niedrig sind im Vergleich zum Ladenpreis? Warum wird die mühevolle Arbeit der Leute nicht anerkannt? (was bin ich manchmal süß naiv…) Nein, da stellen wir lieber keine weiteren Fragen. Im Gegenteil. Spiegel-Online teasert in einer aberwitzigen Sinnfigur:

Bislang verdiente Adidas viel Geld mit Turnschuhen, die in Billiglohnländern produziert wurden. Jetzt wollen die Herzogenauracher sich revanchieren: Mit einem extra-günstigen Sportschuh für die Dritte Welt.

… und fährt dann mit besagter DPA-Meldung fort. Kann man schön dran erkennen, wie gut die gemeinte Message bei den Redakteuren angekommen ist.

Halloween-Post

Halloween. Ein geeigneter Aufhänger für einen Post über den Web-Klassiker schlechthin Rotten.com – oder? 1996 startete dieses makabre Internet-Projekt und ich muss gestehen, dass ich bestimmt schon 10 Jahre nicht mehr drauf war. Erfrischend finde ich aber, dass sich am Aufbau und Design der Seite gar nichts verändert hat, auch wenn sich das Angebot schrittweise stark ausgeweihdtet hat.

Als Ziel geben die Macher an „eine unvergessliche Sammlung von all jenem zusammenzutragen, was sich die Menschheit zu vergessen geschworen hatte“. Von schrecklichen Autopsie-Bildern bis hin zum jüngsten „Rate my Poo“. Dort können User Bilder ihrer eigenen Exkremente hochladen und die der anderen bewerten – eine ironische Anspielung auf das web2.0.

Eine weitere von rotten.com gegründete Seite ist „Sports Dignity“, eine Bildergalerie aus der Welt des Sports. Hier können Sportler betrachtet werden, die ihre Genitalien entblößen, der Kamera den Finger zeigen oder sich sehenswerte Verletzungen zugezogen haben.

Seit November 2003 gibt es den „Rotten Dead Pool“. Hierbei handelt es sich um ein Spiel, bei dem jeder Spieler zehn Personen nennen muss, von denen er glaubt, dass sie im Verlauf der nächsten 12 Monate sterben werden. Für jeden richtigen Tipp bekommt der Spieler einen Punkt – es sei denn, die Person war zum Zeitpunkt der Auswahl bereits zum Tode verurteilt worden, oder der Spieler selbst hat sie umgebracht!

Am 4. Oktober 2001 verfügte die Bezirksregierung Düsseldorf übrigens, dass auf Grundlage des Mediendienste-Staatsvertrags von 1997 Access-Provider in Deutschland den Zugang zu der Seite verhindern müssten. Nach Protesten wurde rotten.com aber von der Sperrverfügung ausgenommen. Ebenfalls filtern einige Suchmaschinen wie Google Deutschland teilweise Ergebnisse heraus, die auf rotten.com weisen. Kritiker werfen der Düsseldorfer Landesregierung vor, auf diese Weise Zensur zu betreiben. (wikipedia)

Ob ich mir jetzt Sorgen machen muss? Jedenfalls trotzt die Seite allen Schmähungen und hat bis heute überlebt. 8000 Leute besuchen täglich die Seite, Tendenz: rückläufig. Eigentlich nicht viel für eine derart bekannte Seite, sollte man meinen. Dennoch: Wer sich mal wieder kräftig gruseln und ekeln möchte und die ganze schreckliche Wahrheit ertragen kann – bekommt nirgendwo sonst hochwertigeres Material.

Yeah! Yeah! Yeah!

Kam gerade nach Hause (0:15) – und musste natürlich gleich nachsehen, was dieses TV-Total Spezial für Reaktionen bei Twitter ausgelöst hat. Logischerweise war die 7-minütige (!) Erwähnung der Piratenpartei und ihrer Themen längst fleißig von irgendwem hochgeladen worden und bereits zahlreich kommentiert. Yeah!

ältere Dame am Wahlkampfstand der #Piraten “das klingt vernünftig. Aber was Sie da vor Somalia machen, ist nicht in Ordnung”

Ironischerweise landete der Guttenberg mit seinem Witzchen eine satte Bauchlandung: Es brachte Trittin dazu, eine Lanze für die Piraten zu brechen und ihre idealistischen Ziele zu loben, was allseits beklatscht wurde. Yeah! (Das von Guttenberg zitierte Tweet stammte übrigens ursprünglich von einem Wahlkämpfer der Piratenpartei – das ist mal witzig!)

Münte hat uns sogar zu seiner SPD eingeladen, um mal mit ihnen über all die Themen zu sprechen, von denen sie keine Ahnung haben! Muss man sich mal vorstellen! Und Gysi musste sich noch hart das Wort erkämpfen um eine klare Antwort auf die Frage zu geben, was die anderen Parteien denn alle versäumt hätten, dass die Piraten überhaupt entstehen konnten (mussten!).

Das alles wird in epischer Breite über einer Partei gesagt, die Herr Raab gestern noch als exotische Witzpartei abgetan hat, obwohl sie offiziell durch Tauss im Bundestag vertreten ist und das die angebliche Bedingung für die Einladung in seine Sendung gewesen sein sollte. Dass die Piraten nicht eingeladen wurden, war ja von vorne herein absehbar – aber die Aktion EnterDenRaab hat dennoch super funktioniert und die Piraten erfolgreich in die Sendung geschmuggelt – ganz ohne anwesend zu sein…

Wir wissen jetzt also zumindest, dass die Parteien uns ganz klar ernst nehmen und von mancher sogar geschätzt werden! Außer z.B. von Westerwelle, der behauptete, die Piratenpartei würde auf gar keinen Fall die 5%-Hürde erreichen und daher sei eine Stimme für sie eine “verschenkte” Stimme. Er klang fast ein bisschen verzweifelt.

18Klar – wir kosten die FDP natürlich wertvolle Stimmen. Mit prozentualen Schätzungen hat der Mann sich aber auch schon ganz gewaltig vertan. Nur Nichtwählerstimmen sind vertane Stimmen – wie wir heute Abend sehen werden.

Yeah!

schonmal im Vorraus :-)

Diese Woche

Könnte man fast jede Woche posten, das Cover vom Edeka-Blättchen “diese woche“. Krönt meist ein fieses Photoshop-Disaster (!!!) – entdecken Sie diesmal: Surreale Proportionen, verkrüppelte Zeigefinger und die spannende Frage, ob jemand wirklich so krass grinsen kann – oder womöglich die ganze obere Zahnreihe montiert ist? Außerdem scheint es Gesetz zu sein, dass Bier in Werbeanzeigen selten durchsichtig ist.

Urlaub vom Sommerloch

Ursprünglich wollte ich mich heute der Dienstwagen-Lappalie unserer lieben Ulle widmen – habe aber beschlossen, dass es mir angesichts scheinbar mangelnder Wahlkampfthemen doch einfach zu nichtig erscheint.

Neulich im hippen ‘heutejournal’ dachte ich zunächst, dass man sich fast dafür entschuldigen wollte, solange unnötig auf diesem Thema herumgeritten zu sein – indem man es höflicherweise noch einmal zum Opener der Nachrichten machte. Aber zum Schluss des Berichts warf man der Ministerin abermals mangelndes Fingerspitzengefühl vor. Ist das nicht zynisch? Obwohl bereits kurz nach der Meldung klar wurde, dass das alles ganz normal ist und Politiker aller Couleur ihre Dienstwagen ganz ähnlich nutzen.

Ach ja – und das Auto war übrigens 4 Tage später wieder da. Auch egal. Was macht eigentlich unsere Kanzlerin zur Zeit? Urlaub etwa??

Tatsächlich wurden dieser Tage Leute für teuer Geld angerufen und gefragt, mit welchem Politiker sie gerne ihren Urlaub verbringen würden. Das ist in der Tat keine leichte Frage, finde ich. Aber ich glaube, ich würde tatsächlich gerne mal mit Peer Steinbrück lecker essen gehen und danach noch bisschen Kohle im Casino verzocken. Ist doch der einzige, der einen coolen Humor hat!

Happy Birthday!

Schampus auf, Törti auf den Tisch – dieses Blog wird 4 Jahre alt!

Trimm dich!

Trimmy nacktAm Sonntag wollte ich mich zu sportlichen Aktivitäten aufraffen und kam spontan auf die Idee, einen Trimm-Dich-Pfad aufzusuchen. Daran kann man gut erkennen, wie oft ich mich zu sportlichen Aktivitäten aufraffe – denn Trimm-Dich-Pfade sind mittlerweile doch leicht aus der Mode gekommen. Oder nein – eine schlaue Großmolkerei nutzt Trimmy jetzt wieder für eine Kampagne: In Kindergärten.

Für die Jüngeren muss man möglicherweise erst kurz erklären, was es mit dem witzigen Ausruf “Trimm dich!” auf sich hat – und wer könnte das besser zusammenfassen als die weise alte Wikipedia:

Die Trimm-dich-Bewegung war eine in den 1970er-Jahren in der Bundesrepublik Deutschland populäre Breitensport-Bewegung. Sie hatte ihren Ursprung in der Kampagne Trimm Dich – durch Sport!, die der Deutscher Sportbund am 16. März 1970 startete. Sie erreichte eine hohe Öffentlichkeitswirkung.

Das Ziel der Kampagne war es, die in der bundesdeutschen Wohlstandsgesellschaft durch das „Wirtschaftswunder“ stark gestiegene Zahl Übergewichtiger und Herzinfarktgefährdeter durch sportliche Betätigung zu verringern.

Das Maskottchen der Aktion war die Zeichenfigur Trimmy.

In zahlreichen Städten und Gemeinden wurden so genannte Trimm-dich-Pfade eingerichtet. Im Zuge neuer Modesportarten geriet die Trimm-dich-Bewegung allmählich in Vergessenheit. Bestehende Trimm-Dich-Pfade wurden von den unter Finanzschwierigkeiten leidenden Kommunen oftmals dem Verfall preisgegeben.

Auch zu meiner Zeit waren die Anlagen schon etwas modrig – aber sie erfüllten gerade noch ihren Zweck.

Müllerkampagne in Kindergärten

Die Molkerei Alois Müller möchte sich nun engagieren, weil wir heute wieder so viele dicke Kinder haben. Schließlich wirft man den großen Nahrungsmittelherstellern doch immer vor, sie seien Schuld daran! Nach dem Motto “Früh übt sich” und “Was Hänschen nicht lernt” werden 100 Kindergärten mit einem Satz Spielgeräte ausgestattet. Interessant an der Strategie ist, dass die Kindergärten sich aktiv bewerben sollen – so kann man nun wirklich nicht behaupten, die Kindergärten würden von der Werbeindustrie infiltriert. Nicht zuletzt hat man als Partner den “Deutschen Olympischen Sportbund” – immerhin die größte Sportorganisation der Welt.

Mich stimmt es eher ein bisschen traurig, dass Kinder schon so früh auf fragwürdige Marken geprägt werden dürfen. Aber das ist natürlich lächerlich: Sportartikelhersteller statten junge Fußballvereine aus, MacDonalds baut Spielplätze – alles ganz normal.

Zu meiner Zeit gabs noch Kaspertheater von der Polizei oder “Karius und Baktus” auf Super8. Ist bestimmt inzwischen alles privatisiert.

Jetzt neu!

Alter Wein in neuen Schläuchen – spontan nehme ich Abschied von meinem “irgendwie zu pilzigen” WordPress-Theme. Im CSS hat sich lächerlich wenig verändert, trotzdem sieht es faszinierend anders aus!

Das wars auch schon.

Photoshopdisasters GQ

Falls ihr allerdings Photoshop-Disasters noch nicht kennen solltet, wirds höchste Zeit.

Deutschlandtrend

Deutschlandtrend

Gestern in den Tagesthemen präsentierte uns Jörg Schönborn (Chefredakteur des WDR und Wortschöpfer der “Jamaika-Koalition”) eine hübsche Infografik – wie immer mit hochseriöser Mine: Über die Zufriedenheit der Deutschen mit der Arbeit von wichtigen Persönlichkeiten. Man stelle sich vor, man bekäme einen Anruf von Infratest Dimap, hallo, ja genau, man sei dieses berühmte Umfrageinstitut und ob man nicht Zeit habe für ein paar Fragen, es dauere auch bestimmt nicht lang und das mache ja ganz viel Spaß auch!

Und dann wird man allen Ernstes gefragt, wie zufrieden man mit der Arbeit des amerikanischen Präsidenten, unseres Bundespräsidenten und – der des Papstes ist. Vermutlich anhand irgendeiner Skala, sagen wir von 1-10. Und dabei denkt man sich vermutlich nicht mal was, weil man schon einen Haufen anderer dämlicher Fragen mit Zahlen auf einer Skala beantworten sollte. Und dann sagt man sowas wie: “Tja, vom Papst hört man zur Zeit ja nichts Gutes. Nee, bin ich eigentlich nicht so zufrieden mit! Dem geb ich jetzt mal ne 3-4!”

Ehrlich gab man in den Tagesthemen zu, dass man bisher nie nach der Papst(un)zufriedenheit gefragt und daher keine Vergleichszahlen vom letzten Mal habe. Trotzdem sei man unglaublich überrascht gewesen und besonders auch darüber, dass Horst Köhler noch vor Obama liegt! Ja, das ist in der Tat wahnsinnig überraschend! Aber auch kühn, diese Menschen, die eigentlich keinerlei Gemeinsamkeiten haben, nebeneinander in einem Diagramm zu vergleichen.

Ich persönlich empfände es als abwechslungsreich, wenn nicht immer nur nach der “Zufriedenheit” gefragt würde, sondern auch mal nach der “Zuversichtlichkeit”: Wie zuversichtlich sind Sie in Bezug auf Ihre Zukunft? Antworten Sie bitte auf einer Skala von 256 Graustufen!