Innovationen

Die schlankschlaue Trinkmargarine

Margarinewerbung früher

Wenn man der Werbung unserer Margarinemarken glauben würde, macht jenes Streichfett nicht nur schlank und gesund, sondern auch noch sexy und schlau. Wann kommt endlich ein Produkt, dass all diese Funktionen vereint, so dass man nicht mehr vier verschiedene Margarinen übereinanderschmieren muss?

Die Margarine, die Napoleon III. als kostengünstigen Butterersatz erfinden ließ, musste in viele Kostüme schlüpfen um bis heute zu überleben. Anfangs gab man sich viel Mühe, genauso wertvoll und fetthaltig zu erscheinen wie die teure Butter. Nach und nach bekam die Margarine aber ein diätisches Image verpasst (sozusagen: ihr Fett weg, haha), was dazu führte, dass Millionen von Menschen sich durch Knäckebrot mit Margarine selbst bestraften, bis sie durchschauten, dass ein glückliches Butterbrot auch nicht mehr Kalorien hat.

Rama fürs Gehirn

Heute gibt es bergeweise Butter - warum sollte man also auf billigen Ersatz zurückgreifen? Im Gegensatz zur Butter, die ein reines Naturprodukt sein muss, kann man bei der Herstellung von Margarine allerlei lebensmittelchemische Verfahren anwenden und beliebige Fette mit Wasser und sonstigen Zusätzen verquirlen. Die moderne Margarine will besser als Butter sein: Cholesterin will sie senken (Becel), ja sogar unsere Kinder schlau machen (Rama Idee) - wobei letztere “Innovation” genauso schnell wieder verschwand wie sie gekommen war.

Jetzt will man die Abwehrkräfte stärken: Der neue Werbespot von Lätta sieht zwar ganz ähnlich aus wie der aus den 90ern, als die Marke im Fit4Fun-Outfit geschaffen wurde: Da hüpft eine schlanke junge Dame zu den Walen in den Bergsee und der Waschbrettmann wartet schon in der Tür. Sex wird diesmal aber nur angedeutet. Besser ist das.

Lätta mit Probiotik

Zu unser aller Überraschung verwandeln sich dafür am Ende eine Reihe Trinkjoghurt-Fläschchen in einen schmucken Polypropylen-Margarine-Becher. Dadurch soll deutlich werden:

Hey, die teuren Joghurts kannste stehen lassen - unsere Margarine ist mindestens genauso pröbiotisch und schmeckt super unter “Du-darfst-so-bleiben-wie-du-bist”-Wurst. Die besterforschtestststen Bakterienkulturen kommen da nur rein!

Schade eigentlich - dass man nicht noch einen Schritt weiter geht und gleich den bekömmlichen Margarine-Drink anbietet! Ja, mutiger müsste man eben sein - wenn diese ganzen leckeren Inhaltstoffe doch so gesund sind, wieso nicht die “Tagesportion gesundes Fett” einzeln abfüllen und gleich die gehärteten Fette rauslassen? Dann kann man das prima trinken! Was Ähnliches gibts natürlich schon, als cremafinösen Sahneersatz nämlich… Aber schlau, sexy und gesund macht der auch noch nicht!

Wer übrigens auf Milchsäure-Bakterien abfährt, kann auch zur “mildgesäuerten Butter” greifen, da sind auch welche drin. Und bestens erforscht sind die übrigens ebenfalls, denn sie haben sich lange bewährt.

Spider Catcher ohne Töten!

Spider Catcher

Mr Proper’s Glatzenspeck

Glatzenspeck

Liebe Produktentwickler!

Ich liebe diese herben Duftstoffe, die Sie in Duschgele und Haar-Styling-Produkte reintun. Da ich leider keine Haare habe, sehne ich mich nach einem äquivalenten Produkt, einer Art Glatzen-Politur! Sie könnten auch einfach so tun, als gäbe es sowas seit hundert Jahren und es in hübsch knallige Vintage-Blechdosen abfüllen. Sie können im Winter gerne etwas Selbstbräuner beimengen und im Sommer einen Sonnenschutzfaktor. “Für geschmeidigen Glanz”, oder so.

Bei Interesse an der Vermarktung dieser Idee melden Sie sich doch einfach direkt über die Kommentarfunktion.

Falls Sie bereits längst so ein Produkt entwickeln, können Sie hier auch gerne dafür Reklame machen!

Schmelzbeständige Schokoladen-Imitierungspartikel

schmelzbeständige-schokoladen-imitierungspartikel.pdf

Leckere Innovationen aus dem Hause Unilever! Es ist immer wieder bewundernswert, was Patentanwälte für raffinierte Texte austüfteln, damit sie nachher niemand bei seiner Recherche findet… Vermutlich ist so eine Art Schokostreusel gemeint, den man in der Fabrik noch vor dem Einfrieren auf die süßen Teilchen rieseln lassen kann. Dann muss die Aushilfe im Backshop weniger tun! Ob das aber noch schmeckt, mit 5% Kakao?

Blasser Steiß

Mickitler Returns

Viele schöne Anregungen haben sich in meinem Feedreader verfangen. Statt da jetzt lauter neue Beiträge zu schreiben, die ohnehin nur Nachgeplapper wären, fasse ich nur kurz zusammen:

Vor allem aber gibt es endlich den Müllabfuhrsimulator 2008

(via citronengras, de-bug und den üblichen Verdächtigen)

Goldgräberstimmung

Im Netz ist ein wahrer Goldrausch ausgebrochen! Überall kann man erfahren, wie man mit seinem Blog oder in Second Life oder anderswie Geld abschöpfen kann - aus bloßen Ideen.

Mit einer Investition von nur 12,95 $ und ein paar durchgeackerten Poser-Tutorials z.B. kann man ein eigenes Geschäft betreiben. Oder es zumindest versuchen. Wolf und Claudia Kettner aus Remshalden machen das richtig professionell: Sie wissen, es reicht nicht, einen Shop zu haben, man muss ihn auch kräftig bewerben. Also schalten sie Banner- und regionale Radiowerbung. Noch bleiben die Besucherzahlen aus, aber schließlich muss man auch ein bisschen Geduld mitbringen.

Mein persönliches Highlight: “Sonderbriefmarken zur Drachenhausener Skulpturenausstellung” - kaufen kann man sie leider nicht. Aber prinzipiell glaube ich, in etwa das ist tatsächlich die Zukunft! Ach und liebe Familie Kettner: In Eurem Shop fehlt unbedingt ein Klingelton.

Lecker Chai Tee

Chai Tee

David Rio Chai Tee (Flamingo Vanilla Decaf)

Duft-Jockeys und Wunderbäumchen

Erst seit dem Rauchverbot fällt auf, dass es in unseren Diskotheken ganz schön müffelt - der kalte Kippenmief der letzten Jahrzehnte hat sich tief ins Mauerwerk gefressen und ein Pulk tanzender Alkoholisierter trägt auch nicht gerade positiv zum Nasen-Ambiente bei. Eine große Marktlücke tut sich da nicht auf, aber die Nische ist noch nicht ausgereizt! (Nach Maiglöckchen duftende Fototapeten gibt es zum Beispiel noch nicht)

“Kräftige Ventilatoren verteilen dann die erzeugten Duftkompositionen begleitend zur Musik. Das Ganze läuft meist über 30 minütige Sets, bei denen sich unterschiedliche Duft- und Musik-Welten abwechseln. Zum Einsatz kommen ausschließlich organische Öle und aromatische Gewürze.” (Ideentower)

Auf die Dauer ist das aber keine Lösung - viel zu teuer für die Gastronomen! Es dürfte auch ähnliche Schwierigkeiten geben, wie bei dem Versuch in den 60er Jahren, den Riechfilm zu etablieren:

Leider funktionierte es nicht, wie beabsichtigt. Die vielen Zischgeräusche der Aromadüsen lenkten vom Film ab und das Publikum auf den Balkonen beschwerte sich, daß sie die Gerüche erst einige Sekunden nach der gezeigten Tätigkeit erreichten. In anderen Teilen des Theaters waren die Gerüche zu schwach, was die Zuschauer veranlasste laut zu schnüffeln, um den Geruch einzufangen. Diese technischen Probleme, in Verbindung mit negativen Berichten über den Film selbst, signalisierten das baldige Ende von Smell-O-Vision.

Man könnte auch mal wieder gründlich renovieren, bleiben allerdings die Schweiß- und Alkoholausdünstungen. Gegen die hilft nur bewährte Chemie, als da wären:

  • Wunderbaum: Der Wunder-Baum erfrischt die Luft in jedem Raum! Seit über 30 Jahren sorgt die Firma Böhm aus Schweinfurt mit ihren Baumelbäumchen hauptsächlich in Autos dafür, dass man nicht mehr das Fenster runterkurbeln muss, wenn man durch den Schwarzwald cruist. Berüchtigt sind die von Ihnen verursachten Vanillekopfschmerzen. Es soll helfen, die Folie immer nur Stück für Stück von dem Bäumchen zu ziehen (sieht allerdings doof aus). Wenn Böhm jetzt noch eine glitzernde Variante in sein Sortiment aufnimmt, könnte diese demnächst die Diskokugel ersetzen.
  • Febreze: Mit dem “Geruchsneutralisierer” verwandelt sich selbst aggressiver Turnschuhmief in einen zarten Frühlingsmorgen à la Kirschblüte & Magnolie. Bei Events ließen sich eigens dafür angeheuerte Febreze-Miezen einsetzen, die sich mit zauberhaften Zerstäubern unters Volk mischen.
  • Ohne Personalkosten und viel unaufdringlichfälliger geht es mit dem ganz neuen “Fresh Matic“: Er “versprüht seinen Duft automatisch und in programmierbaren Intervallen. Bis zu 60 Tage ganz von selbst.” (Und nein, es ist KEIN gesponserter Trigami-Link). Ein System für Großverbraucher gibt es leider noch nicht.

Bild von: Deine Heimat

Links, Schnipsel und bunte Buttons

Die Möglichkeiten, seine Lieblingslinks mit anderen zu teilen, sind enorm vielfältig geworden. Jeden Tag gibt es mindestens zwei neue Portale mit abgerundeten Knöpfchen in Aqua-Optik, wo man sich kostenlos anmelden kann. Plonk dies, tag jenes, digg dies und rate das. Alles soll man mit bunten Sternchen bewerten, kommentieren oder in irgendeine Liste “voten”.

Schwarmintelligenz nennen die Entwickler dieses Prinzip. Manch einer (z.B. ich) fühlt sich bereits mit seinem Feedreader überfordert - weil täglich hunderte von Blog-Beiträgen zusammenlaufen, die man unmöglich alle lesen kann.

Groß im Kommen sind daher jetzt Schnipselsammlungen. Da gibt es Clipmarks und Simplesnip - aber sicher auch noch zahlreiche Alternativen. Funktioniert so: Damit man nicht mehr die ganzen Blogs und Artikel lesen muss, werden einzelne Absätze oder Bilder zusammengefasst, gesammelt und dann wiederum von anderen Usern bewertet bzw. kommentiert und rutschen dadurch in einer Hitparade rauf und runter. All die hippen Schnipsel kann man natürlich als RSS-Feed abonnieren und dann steht man wieder vor dem selben Problem wie vorher.

Ein anderes Prinzip bietet web2walk an - eine bunte Flash-Seite, mit der man nun durch das Internet latschen und seine “Fußspuren” hinterlassen soll. Erinnert zunächst an ein sehr praktisches Tool, das es erlaubt, die Wikipedia grafisch via Baumstruktur zu durchforsten.
Je weiter man aber mit web2walk geht, desto komplexer wird die Verknüpfungs-Struktur und man fragt sich, wie einem das weiterhelfen soll. Als neue “Äste” werden je nur eine handvoll Links ausgewählt - weiß der Teufel nach welchem Prinzip. Vermutlich soll die rege Aktivität der User das künftig beeinflussen. Besonders grauenvoll: Für jede Bewertungsaktion soll ein verschwommener Zahlencode eingegeben werden um Missbrauch zu verhindern. Ich vermute, es verhindert vor allem die gewünschte Beteiligung.

Und? Was kann man besser machen?

Solange diese intelligenten Schwärme wahllos alles, was sie toll finden zusammentragen, bringen Highscore-Listen gar nichts. Eine feine Gliederung ist notwendig, damit man auch Beiträge zu Themen findet, die einen interessieren, aber vielleicht unpopulär sind. Wer plant, die Arbeit einer Redaktion von einem “Schwarm” erledigen zu lassen, sollte jeden Schwärmer ein Thema wählen lassen, für das er sich kompetent fühlt.

Weiterführende Artikel:

Kochen mit dem Akkuschrauber

Avantgardistische Gaumenfreuden kommen aus Spanien, aus der Experimentalküche von Ferran Adrià - dem einflussreichsten Koch der Welt - sagt der Stern, aber der probiert diesen Sommer auch schon wieder neue Leser mit seiner Serie “Sex im Zeitalter der Globalisierung” für sich zu gewinnen!

Nee, nee, der Ferran ist zur Zeit in aller Munde, kein Kulturmagazin, das nicht schon über ihn berichtet hätte - immerhin hat ihn sogar die weltbeste Kunstausstellung eingeladen - die Documenta in Kassel. Er wollte sich nur leider nicht dafür hergeben, seine bizarren Schnittchen für die wichtigen Kunstfritzen zum Prosecco anzubieten und deswegen blieb er daheim.

Eine reizvolle Küche jedenfalls für Leute, die früher nie einen Chemiebaukasten haben durften. Vielleicht brachte deswegen sogar der Männersender DMAX neulich ein Portrait über Adrià. Da seine Kochbücher leider um die 160 Kröten kosten, probiere ich nun seit Tagen, nur anhand der vagen Andeutungen im Stern, diese Olivenöl-Diabetikerstärke-Lockenwickler nachzukochen. Es ist mir tatsächlich gelungen!

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