Hype-Museum: Zorbing
In doppelwandigen, durchsichtigen PVC-Bällen durch Landschaften mit Gefälle rollen – so stellte man sich Mitte der 90er Jahre den Höhepunkt der Extremsportarten-Welle vor. Die mobile Gummizelle hat sich aber nicht durchgesetzt, vor allem wahrscheinlich, weil man sich darin kaum willkürlich bewegen kann.
Zuletzt gesichtet: “Nivea for men” sponsert die neue Pro7-Show “Wipe Out” mit mehreren Zorbonauten, die actionreich durch urbanes Gefilde rocken und dabei kein bisschen transpirieren. Das Konzept der Spielshow erinnert stark an “Takeshi’s Castle”, das vor 10 Jahren (und damals auch schon mit 10 Jahren Zeitverzögerung) von DSF aus dem japanischen Fernsehen importiert wurde: Da Menschen naturgemäß am liebsten über ausrutschende und besudelte andere Menschen lachen, wird aus viel Schaumgummi und kaltem Wasser eine künstliche Situation geschaffen, die möglichst oft genau darauf hinausläuft.
Ist so ein Parcours erst einmal aufgebautblasen, lassen sich lustige Aufnahmen am Fließband produzieren – ähnlich wie Erinnerungsfotos, die in Wildwasserbahnen auf Extrempunkten der Bahnkurven automatisch geschossen werden. Billiger kommt man nicht mal an alte kanadische Homevideos. (Aber beide müssen noch mit Cartoon-Geräuschen untermalt und “witzigen Sprüchen” verziert werden.)
Dass man sich in Zorbs nicht so elegant fortbewegen kann, wie etwa mit einem Rhönrad, hätte man auch neulich in MTV’s “Kenny vs. Spenny” sehen können: Nur, dass dort zur Bestrafung noch ein Hundehaufen zusätzlich in die Kugel gelegt wurde. Das eröhte die Schadenfreude ganz ungemein.
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