Ein mit Alufolie ausgelegtes Planschbecken diente als Grundlage für den Wurstsalat, Holzstäbe und Aluschalen bildeten das Gerüst des Giganten, der bei offenem Fenster gut gekühlt auf die große Schlacht am kalten Büfett wartete. (BZ)
Es gibt viele neue schöne Leckereien aus alten Kochbüchern. Schließlich ist bald Weihnachten und da hat man auch besseres zu tun, als stundenlang in der Küche zu schuften… Toast Hawaii? Ebenso exotisch und doch mal ganz anders: Peach-SPAM Fiesta: Dazu einfach Dosenfleisch halbieren, mit süßem, fertig gewürzten Dosenkartoffelbrei bestreichen, die obere Hälfte auflegen, mit Senf-Sirup und Dosenpfirsisch garnieren - und dann für eine gute halbe Stunde in die heiße Bratröhre damit. Köstlich! Da lacht die Hausfrau - auch wenn ich nicht wüsste, wo man hierzulande süßen Dosenkartoffelbrei bekommt.
Welch süße Ironie, dass sich durch die erneute Ausstrahlung des Films “Es liegt mir auf der Zunge” Leute für Clemens Wilmenrod interessieren - und auf meinem Artikel “Alle Jahre wieder” landen. Tatsächlich ist der wieder hochaktuell, denn heute weist das Edeka-Magazin auf die WINTERGRILL-Aktion mit Johann Lafer hin! Der Alptraum geht also weiter.
Wer so eine Mami hat, freut sich bestimmt auf die große Pause. Hunderte weitere Befüllungsvorschläge (mit schrillem Geschenkpapier!) gibts im flickr-Photoset von Wendy Copley: Preschooler Bento
Der 1-Euro-Schuh. Das lässt mich gar nicht mehr los. Vielleicht liegt das auch daran, dass zur Zeit eine Menge rührseliger Reklame läuft, in der sich Firmen mit “Spendenaktionen” selbstbeweihräuchern. Beim Windelkauf was Gutes für die armenkrankenKinder tun, Bier trinken für den Regenwald - überall wird uns suggerriert, dass wir mit unserem Konsumverhalten irgendetwas bewirken könnten. Dieser Illusionen kann man sich schön auf ende-der-maerchenstunde.de berauben lassen.
Aber gut, wir bleiben bei den Turnschuhen. Unfassbar unpassender Trackback-Spam erreichte mich heute, untermalt von viel passender Online-Schuhwerbung:
Wie der Adidas Schuh aussehen soll, ist noch nicht klar. Außerdem wisse man noch nicht, ob er überhaupt die bekannten drei Streifen bekommen wird. (…) Denn auch in der Dritten Welt soll man mit (schönen) Schuhen laufen können. Wenn das mal keine nette Geste ist.
Eine nette Geste??? Und warum sollen da keine 3 Streifen drauf? Schämen sich dann die Leute, die sich die teuren Latschen leisten können, wenn die Armen auch damit rumlaufen? Aus Marketing-Sicht natürlich eine nachvollziehbare Entscheidung: Die Käufer könnten sich auch fragen, warum ausgerechnet sie mehr ausgeben sollten.
Die Herstellung des preiswerten Schuhs sei im Rahmen eines sogenannten Social-Business-Projekts geplant, bei dem der Preis eines Produkts gerade die Material- und Herstellungskosten decke. (stammt aus einer DPA-Meldung, die von diversen Online-Zeitungsausgaben, z.B. auch von Bild-Online unverändert übernommen wurde)
Kannste dir die Gewinnspanne ausrechnen, die man macht, wenn man die Material- und Herstellungskosten mal von üblichen Turnschuhpreisen abzieht.
Da drängen sich doch aber Fragen auf wie: Warum wird denn so extrem an Material- und Herstellungskosten gespart, wenn sie doch so niedrig sind im Vergleich zum Ladenpreis? Warum wird die mühevolle Arbeit der Leute nicht anerkannt? (was bin ich manchmal süß naiv…) Nein, da stellen wir lieber keine weiteren Fragen. Im Gegenteil. Spiegel-Online teasert in einer aberwitzigen Sinnfigur:
Bislang verdiente Adidas viel Geld mit Turnschuhen, die in Billiglohnländern produziert wurden. Jetzt wollen die Herzogenauracher sich revanchieren: Mit einem extra-günstigen Sportschuh für die Dritte Welt.
… und fährt dann mit besagter DPA-Meldung fort. Kann man schön dran erkennen, wie gut die gemeinte Message bei den Redakteuren angekommen ist.
Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung berichtet heute im Wirtschaftsteil über die Zusammenarbeit von Adidas mit dem Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus: Zu einem “auch für die arme Bevölkerung erschwinglichen Preis” will Adidas künftig den Ärmsten Schuhe verkaufen. “Niemand auf der Welt muss mehr barfuß laufen“.
Mir Recht verweist der Autor Georg Meck dabei auf manch ethische Frage: “Wie gerecht ist es, Schuhe in Amerika für hundert Dollar zu verkaufen, die Asiaten für einen Bruchteil davon zusammenschustern?”. Für 1 Euro soll man also bald ein paar Schuhe bekommen können. “Für gewöhnlich kosten schon die Schnürsenkel mehr, insofern ist die Ansage durchaus mutig“, meint der Autor.
Aber ist das wirklich so mutig? Tatsächlich kosten ausgerechnet die Schnürsenkel natürlich so gut wie nichts. Man fragt sich aber zurecht nach dem oben genannten “Bruchteil”. Wie setzt sich eigentlich der Preis für z.B. ein T-Shirt zusammen? Für die Bauwolle (Garne): Nicht mal ein Euro. Für die Arbeit: knapp 3 Euro. Den Rest schöpft der Händler ab - er kalkuliert den Verkaufspreis mit einem Faktor von 2 bis 2,5 des Einkaufspreises (Quelle: Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie GmbH). Ähm - mindestens. Es gibt freilich teurere T-Shirts.
Ein Synthetik-Schuh, der nicht mal genäht, sondern nur von einer Maschine aufgeschäumt wird - kostet vielleicht ein wenig mehr als ein leerer Joghurt-Becher. Aber Moment mal! Sogar WIR können heute bereits Schuhe für 1 EUR kaufen. Solche Latschen gibts bei jedem Discounter. Der einzige Unterschied: Sie haben keine 3 Streifen.
Tatsächlich ist Adidas an der eigentlichen Produktion seiner Artikel heute nicht mehr beteiligt. Die Schuhe erzeugt der chinesische Konzern Yue Yuen. Adidas kümmert sich “nur” um das Erstellen des Designs, der Schnitte, das Finishing, die Werbung und die Vermarktung, worauf aber natürlich nach wie vor der größte Anteil der Wertschöpfung abfällt. Woher rührt also die Motivation? Will man sein Image reinwaschen?
Übrigens möchte auch die BASF zukünftig mit dem Nobelpreisträger zusammenarbeiten. Vitaminpulver und 100.000 Moskitonetze könnte man beisteuern. Fast geschenkt - versteht sich. Hat man da Gewissensbisse, dass man mit europaweit verbotenen Agrochemikalien in armen Ländern immer noch gutes Geld verdient? “Vitamine” sind jedenfalls auch wirklich mal was Billiges - und so ein Moskitonetz ist auch nur deshalb teuer, weil man so hohe Preise verlangen KANN - nicht etwa, weil Nylon so ein rares und kostbares Material wäre.
Yahoo ist zuversichtlich, was seine Zukunft angeht. “Heute nutzt die Hälfte aller Internetbesucher in Europa Yahoo.” meint Europa-Chef Rich Riley im Manager-Magazin. Glaubt er das wirklich? Okay, ich habe einen Flickr-Account, den ich kaum noch nutze. Und einen bei Yahoo-Pipes - den ich nie wirklich genutzt habe. Aber Yahoo als Suchmaschine oder gar Startseite? Braucht das jemand? Ich habe jedenfalls keine fünf Minuten Verweildauer gebraucht um ein vernichtendes Urteil zu fällen.
Das “neue” Yahoo also. Ein Portal mit Suchmaske und Mail-Account, wie es solche Seiten gibt, seit ich surfen kann. Viele dieser Portale hat es dahingerafft - andere blieben (dank kostenloser E-Mailfächer). Na gut - such ich doch mal wenigstens was: Ein Video! Die ersten 3 Ergebnis-Seiten liefern Treffer von “Vodpod” - hat man ja auch noch nie was von gehört. Vermutlich eins der vielen Partnerangebote, die Yahoo nun integrieren will: “Bisher haben wir alles allein gemacht. Jetzt haben wir uns geöffnet, um schneller mehr Angebote stemmen zu können. Eines Tages werden die Fremdentwickler die meiste Arbeit übernehmen. Noch aber haben wir eine Mischung aus eigenen und fremden Erfindungen”, so Riley.
Ein Holzweg. Denn niemand will eine individualisierte Website. Die Inhalte unserer liebsten Angebote hübsch übersichtlich aufbereiten? Das werden Smartphone-Apps und Browser-Plugins erledigen. Eine Webseite als “Einstiegstor fürs Internet” wird aber kaum noch jemand ständig besuchen. In den Screenshots der neuen Seite (die erst in 1-2 Wochen wirklich starten soll) werden die externen Module dann demnächst als “Tabs” eingeblendet und nebenan Bannerwerbung. Was solls bringen? Außer Werbefläche?
Und wem z.B. Google immer zu nackt war, kann schon eine ganze Weile mit ‘iGoogle‘ beliebige Internet-Module zusammenfrickeln - braucht zwar auch niemand, funktioniert aber mindestens genauso super. Das einzige, was man übrigens ohne Account bei Yahoo individualisieren kann, ist die Grundfarbe der Website - die den meisten Usern wohl herzlich egal sein dürfte.
Ansonsten besteht Yahoo-Deutschland leider nur aus Links und Widgets, wie man sie z.B. aus der unteren Sidebar von SpiegelOnline oder überall sonst kennt: Horoskope, Preisvergleiche, Reisen und Routenplaner und natürlich - das Wetter. Allgemeines, Nützliches - Brot und Butter. Nichts Wichtiges, nichts Interessantes. Alles glatt und gleich. Das “neue” Yahoo ist sicherlich gut gemeint - aber das ist eben das Gegenteil von gut.
Früher waren redaktionelle Webkataloge eine Konkurrenz für “echte” Suchmaschinen, die viele unpassende Ergebnisse lieferten. Das ist längst überwunden - spätestens, seit Google bereits beim Eintippen errät, wonach man sucht. Hätte man aber die Nutzer irgendwann einbezogen in die Kataloggestaltung - vielleicht wäre das ja was geworden. Aber das ‘Social Bookmarking’ haben dann andere erfunden (und an Google verkauft) und so ist der Web-Katalog endgültig gestorben, auch wenn ich ihn mir jetzt selbst aus Modulen zusammenklicken darf.
Na, ich drücke trotzdem die Daumen. Ist die Seite eigentlich wirklich so nackt, oder liegt das an meinem Werbeblocker?
Halloween. Ein geeigneter Aufhänger für einen Post über den Web-Klassiker schlechthin Rotten.com - oder? 1996 startete dieses makabre Internet-Projekt und ich muss gestehen, dass ich bestimmt schon 10 Jahre nicht mehr drauf war. Erfrischend finde ich aber, dass sich am Aufbau und Design der Seite gar nichts verändert hat, auch wenn sich das Angebot schrittweise stark ausgeweihdtet hat.
Als Ziel geben die Macher an „eine unvergessliche Sammlung von all jenem zusammenzutragen, was sich die Menschheit zu vergessen geschworen hatte“. Von schrecklichen Autopsie-Bildern bis hin zum jüngsten „Rate my Poo“. Dort können User Bilder ihrer eigenen Exkremente hochladen und die der anderen bewerten - eine ironische Anspielung auf das web2.0.
Eine weitere von rotten.com gegründete Seite ist „Sports Dignity“, eine Bildergalerie aus der Welt des Sports. Hier können Sportler betrachtet werden, die ihre Genitalien entblößen, der Kamera den Finger zeigen oder sich sehenswerte Verletzungen zugezogen haben.
Seit November 2003 gibt es den „Rotten Dead Pool“. Hierbei handelt es sich um ein Spiel, bei dem jeder Spieler zehn Personen nennen muss, von denen er glaubt, dass sie im Verlauf der nächsten 12 Monate sterben werden. Für jeden richtigen Tipp bekommt der Spieler einen Punkt - es sei denn, die Person war zum Zeitpunkt der Auswahl bereits zum Tode verurteilt worden, oder der Spieler selbst hat sie umgebracht!
Am 4. Oktober 2001 verfügte die Bezirksregierung Düsseldorf übrigens, dass auf Grundlage des Mediendienste-Staatsvertrags von 1997 Access-Provider in Deutschland den Zugang zu der Seite verhindern müssten. Nach Protesten wurde rotten.com aber von der Sperrverfügung ausgenommen. Ebenfalls filtern einige Suchmaschinen wie Google Deutschland teilweise Ergebnisse heraus, die auf rotten.com weisen. Kritiker werfen der Düsseldorfer Landesregierung vor, auf diese Weise Zensur zu betreiben. (wikipedia)
Ob ich mir jetzt Sorgen machen muss? Jedenfalls trotzt die Seite allen Schmähungen und hat bis heute überlebt. 8000 Leute besuchen täglich die Seite, Tendenz: rückläufig. Eigentlich nicht viel für eine derart bekannte Seite, sollte man meinen. Dennoch: Wer sich mal wieder kräftig gruseln und ekeln möchte und die ganze schreckliche Wahrheit ertragen kann - bekommt nirgendwo sonst hochwertigeres Material.
Die Grafiker von den Tagesthemen haben eine schöne Illustration für die momentanen Koalitionsverhandlungen gefunden: Einen Zauberwürfel in Parteifarben. Schon DREIMAL habe ich das in der letzten Woche gesehen! Der Abbildung oben ist leicht anzusehen, dass so eine Version von Rubik’s Cubeunlösbar wäre - aber vielleicht ist das ja gerade Absicht?
Wer genauso spitzfindig ist, wie ich, kann sich mal darüber Gedanken machen, ob die neueste Abwandlung der Illustration lösbar ist, oder nicht